Alexander Zverev (29) hat auf die jüngsten Aussagen von Boris Becker (58) mit deutlichen Worten reagiert. „Ich glaube, dass er wie immer relativ viel Blödsinn erzählt“, sagte der 29-Jährige auf der Pressekonferenz nach seinem Aus beim Masters-Turnier in Paris. „Ich weiß nicht, was bei ihm gerade vorgeht, aber ich habe so das Gefühl, dass er alles kommentieren muss, was ich mache.“
Am Montag hatte Zverev als erster männlicher deutscher Tennisprofi seit Becker die Spitze der Weltrangliste übernommen. In Paris war dann schon nach dem ersten Match Schluss: Er verlor gegen den Italiener Lorenzo Musetti (24).
Becker sucht nach Gründen
Auslöser des Streits ist ein Interview, das Becker dem „Spiegel“ gegeben hat. Darin ging es um die Frage, warum Zverev hierzulande trotz seiner Erfolge nicht die Herzen zufliegen. Der 58-Jährige, der von 2017 bis 2021 als Head of Men’s Tennis im Deutschen Tennis-Bund eng mit Zverev zusammenarbeitete, stellte mehrere Vermutungen an.
In englischen Interviews erlebe er seinen Landsmann charmant, witzig und selbstironisch. Auf Deutsch dagegen wirke Zverev oft „schroff und abgehackt“ und sei „gegenüber Journalisten auch nicht gerade freundlich“.
Becker verwies zudem darauf, dass Zverevs Eltern aus Russland stammen und er auf dem Platz Russisch mit seiner Box spreche. Zum Krieg in der Ukraine äußere er sich politisch nicht, was er persönlich verstehen könne. „Aber es kommt natürlich nicht so gut an“, so der sechsmalige Grand-Slam-Sieger.
„Das bin ich nicht“
Genau dieser Punkt stieß Zverev sauer auf. „Ich fand komisch, dass er der Meinung ist, dass ich mich politisch äußern sollte. Warum auch immer“, sagte er in Paris. Eine Haltung habe er durchaus: „Ich habe da eine sehr klare Meinung zu. Mich hat nie jemand darüber gefragt.“ Öffentliche Stellungnahmen im Netz schließt er aber kategorisch aus. „Ich werde nicht auf Instagram gehen und da irgendwelche Kommentare abgeben. Das bin ich nicht, das habe ich noch nie gemacht, das werde ich auch nie machen.“
Auch beim Thema Publikum widersprach Zverev. Becker hatte im „Spiegel“ erklärt, in den vergangenen drei Grand-Slam-Endspielen von Zverev hätten die Fans jeweils mehrheitlich zum Gegner gehalten. Bei den French Open sei das Publikum für den Italiener Flávio Cobolli gewesen, in Wimbledon für Jannik Sinner. Nur in New York gegen Ben Shelton könne er das verstehen.
Zverev erinnert sich an ganz andere Stimmungen. „Ich fand, dass in Paris 70 Prozent der Leute für mich waren. In Wimbledon habe ich gegen Jannik Sinner gespielt, da war es relativ 50:50“, sagte er. Lediglich bei den US Open seien die Zuschauer logischerweise überwiegend auf der Seite des Amerikaners gewesen. „Da würde jeder dastehen und das Stadion würde gegen einen sein.“
„Kann er machen“
Das Interview selbst kennt Zverev nach eigenen Angaben nur in kleinen Ausschnitten. Sein Urteil über Beckers Aussagen steht trotzdem: „Ich glaube, dass er momentan nach allem sucht, um mich ein bisschen runterzumachen. Kann er machen, ist seine Wahl.“
Dabei sparte Becker in dem Gespräch keineswegs mit Anerkennung. Das Verhältnis der beiden beschrieb er als „Tough Love“ mit Höhen und Tiefen. Privat habe er Zverev als charmant und witzig erlebt. Und er wünsche sich, dass Zverev zum Sportler des Jahres gewählt werde. Mit zwei Grand-Slam-Titeln in einem Jahr, in Paris und bei den US Open, hätte er das aus Beckers Sicht verdient.
(jom/spot)
Bild: Alexander Zverev (li.) lässt kein gutes Haar an Boris Becker. / Quelle: imago images/Independent Photo Agency Int. / Felice Calabro / imago images/APress / A-way!/Claudia Ast






