Der italienische Filmregisseur Tinto Brass ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren in Rom. Seine Ehefrau Caterina Varzi sowie die Kinder Bonifacio und Beatrice Brass gaben die Nachricht am Mittwoch gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa bekannt.
Geboren wurde Brass 1933 in Mailand, seine Familie stammte aus Venedig. Nach dem Jurastudium zog es ihn 1957 nach Paris. Dort fand er Anschluss an die Cinémathèque française und bewegte sich im Umfeld der aufkommenden Nouvelle Vague. Als Assistent arbeitete er für Joris Ivens und Roberto Rossellini.
Kurzfilme für Umberto Eco
Sein Debüt als Regisseur gab Brass 1963 mit „In Capo Al Mondo“, der später in „Chi Lavora è Perduto“ umbenannt wurde.
In den 1960er und frühen 1970er Jahren widmete er sich vor allem dem Avantgarde-Kino. Im Auftrag von Umberto Eco drehte er die experimentellen Kurzfilme „Tempo Libero“ und „Tempo Lavorativo“. Einen großen Teil dieser Zeit verbrachte er in London, wo „Deadly Sweet“, „Attraction“ und „Dropout“ entstanden.
Machtkampf um „Caligula“
Ende der 1970er Jahre schlug Brass eine neue Richtung ein. Mit den historisch-erotischen Kultfilmen „Salon Kitty“ und „Caligula“ wurde er berühmt-berüchtigt. Vor allem „Caligula“ zählt zu seinen bekanntesten, jedoch auch umstrittensten Werken. Mit einem Budget von insgesamt rund 22 Millionen Dollar gilt der Skandalfilm mit Malcolm McDowell und Peter O’Toole als eine der teuersten unabhängigen Produktionen überhaupt.
Hinter den Kulissen lieferten sich Brass, Drehbuchautor Gore Vidal und Produzent Bob Guccione ein regelrechtes Tauziehen. Der Gründer des „Penthouse“-Magazins hatte den Film finanziert und in der Postproduktion eigenmächtig Hardcore-Sexszenen einfügen lassen. Vidal ließ daraufhin seinen Namen aus dem Filmtitel streichen. Auch O’Toole, McDowell und Brass selbst gingen auf Distanz, der Filmemacher sah in Gucciones Eingriffen einen Verrat an seiner ursprünglichen Vision.
Neue Fassung in Cannes
Mehr als vier Jahrzehnte später bekam der Film eine zweite Chance. 2023 lief bei Cannes Classics die neu geschnittene Version „Caligula: The Ultimate Cut“, aus der Gucciones Szenen entfernt worden waren.
Brass selbst blieb bis in die 2000er Jahre aktiv. Zu seinen letzten Arbeiten gehören erotische Spiel- und Kurzfilme wie „Monamour“, „Kick the Cock“ und „Hotel Courbet“.
(stk/spot)
Bild: „Caligula“-Regisseur Tinto Brass beim Rome Film Fest im Oktober des vergangenen Jahres. / Quelle: imago/SOPA Images / Mario Cartelli / SOPA Images



