Sara Kulka: Ex-Mann wollte Buch-Enthüllungen verhindern

Sara Kulka: Ex-Mann wollte Buch-Enthüllungen verhindern

Sara Kulka (36) hat ihre Lebensgeschichte auf Papier gebracht. Am 20. Oktober erscheint ihre Biografie „Das Mädchen, das ich retten musste“, die sie gemeinsam mit Fred Sellin geschrieben hat (Yes Publishing). Darin erzählt die Reality-Darstellerin von sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit durch ihren Onkel, ihrer Drogensucht und ihrer Zeit als Stripperin. Auch ihre toxischen Beziehungen zu Männern, ein Seitensprung nach dem Dschungelcamp und ihr Weg zur Heilung werden offen thematisiert.

Bekannt wurde Kulka 2012 mit Platz fünf bei „Germany’s next Topmodel“, drei Jahre später zog sie in den australischen Busch. „Wenn ich meine Geschichte schreibe, dann zu 100 Prozent. Mit allem, was zu mir gehört“, betont sie im Interview mit spot on news. Das Aufschreiben sei für sie erneut „wie eine Therapiestunde“ gewesen – allerdings waren nicht alle mit dem Buch einverstanden.

Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Geschichte so offen zu erzählen?

Sara Kulka: Ich habe tatsächlich schon vor fünf Jahren mit dem Gedanken gespielt und wurde damals auch schon von einem Verlag angefragt. Da ging es mir psychisch aber gar nicht gut. Das war die Hochphase, in der ich selbst noch auf einem Findungsweg war. Nach der „Villa der Versuchung“ kamen plötzlich drei Verlage auf mich zu und ich dachte: Das ist ein Zeichen.

Mein Antrieb waren auch meine Kinder. Ich möchte, dass sie irgendwann verstehen, welchen Kampf ich manchmal mit mir selbst hatte und dass ich trotzdem immer versucht habe, mein Bestes zu geben. Ich war diejenige, die das Generationstrauma unserer Familie endlich durchbrochen hat. Gerade weil ich Töchter habe, möchte ich, dass sie stark werden und sehen, dass sie eine starke Mama haben, die immer wieder aufgestanden ist. Ich möchte aber auch anderen Frauen Mut machen, darüber zu sprechen, was ihnen widerfahren ist, und damit auch Menschen erreichen, die mich bisher nicht kennen.

Wie war es für Sie, beim Schreiben noch einmal durch all die Stationen Ihres Lebens zu gehen?

Kulka: Furchtbar. Ich bin mittlerweile ein Mensch, der jede Emotion nach außen trägt. Und ich bin wirklich durch alle Emotionen gegangen: Weinen, Lachen, Wut. Nach manchen Stellen konnte ich eine Woche lang nicht mehr unter Menschen, habe mich abgeschottet und hatte tatsächlich wieder kleine depressive Schübe. Und an anderen Stellen musste ich plötzlich laut auflachen.

War das Schreiben für Sie eine Form der Verarbeitung?

Kulka: Absolut. Das war wirklich wie eine Therapiestunde. Ich habe viele Sachen noch einmal anders reflektiert. Durch das Aufschreiben habe ich viel mehr Verständnis gewonnen, für mich, aber auch für meine Mutter. Sie hat mir zum ersten Mal wirklich detailliert erzählt, wie und von wem sie vergewaltigt worden ist. So traurig diese Geschichte auch ist, war das alles so offenbarend und auch irgendwie schön.

Sie haben erzählt, jemand wollte verhindern, dass Ihr Buch veröffentlicht wird…

Kulka: Das ist mein Ex-Mann. Er hat mich damals rausgeworfen und wollte nicht, dass solche Themen aufkommen. Einige Sachen sind dadurch ein bisschen verfälscht worden – aber bevor ich die Geschichte gar nicht schreibe, schreibe ich sie eben etwas seichter, als sie tatsächlich war. Unsere Ehe war über Jahre hinweg völlig toxisch. Auch durch mich, weil ich nie vorgelebt bekommen habe, was eine Beziehung eigentlich ist. Ich habe die Trennung lange hinterfragt und bereut, weil ich dachte, ich hätte meine große Liebe verloren. Durch das Buch habe ich verstanden: Was wir hatten, war nie Liebe. Die Beziehung war für mich von Anfang an Abhängigkeit, eine Kompensation meines Vaterkomplexes.

Wie ist Ihr Verhältnis heute?

Kulka: Er ist ein unfassbar toller Papa und das differenziere ich ganz stark. Aber ein guter Vater würde ja auch wollen, dass es seinen Kindern gut geht. Also warum hat er die Mutter kurz vor Weihnachten vor die Tür gesetzt? Das ist der Zwiespalt, den ich versuche, für mich auszublenden. Es ist ein Auf und Ab mit ihm. Mal bin ich blockiert, mal nicht. Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir den Kontakt aufrechterhalten und zum Beispiel die Geburtstage der Kinder gemeinsam feiern können. Aber er muss dazu bereit sein.

Sie schreiben auch über Ihren Seitensprung nach dem Dschungelcamp. Wie schwer war es für Sie, auch dieses Kapitel offenzulegen?

Kulka: Das brauchen wir gar nicht kleinzureden, das war damals ein Riesenfehler. Ich habe Angst, wie die Menschen darauf reagieren, weil ich nach außen immer so viel über Loyalität spreche. Aber auf der anderen Seite gilt für mich: Wenn ich meine Geschichte schreibe, dann zu 100 Prozent. Mit allem, was zu mir gehört. Es war damals ein Verrat an meinen moralischen Werten, weil es meinem Ex-Mann gegenüber unfair war. Ich habe mich manchmal gefragt, wie es gewesen wäre, wenn ich mich damals doch von ihm getrennt hätte. Auf der anderen Seite bin ich unfassbar glücklich, dass ich es nicht getan habe, weil meine Tochter Annabell sonst nicht da wäre.

Der Titel Ihres Buches lautet „Das Mädchen, das ich retten musste“. Wann haben Sie verstanden, dass Sie dieses Mädchen selbst retten müssen?

Kulka: Als ich bei meinem Mann ausgezogen bin. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich so richtig alleine war. Ich habe gemerkt, wie gut mir diese Unabhängigkeit tut. Das Alleinsein, vor dem ich immer Angst hatte, hat mich begreifen lassen, dass nur ich mich glücklich machen und mir Vollkommenheit geben kann. Oft habe ich unterbewusst versucht, meine Kinder dafür zu nutzen, dass sie mich erfüllen. Aber wenn ich meine Geschichte Revue passieren lasse, dann war ich eigentlich schon immer das Mädchen, das sich selbst gerettet hat. Ich hatte keine Retterin, wie ich es für meine Kinder versuche zu sein. Denn auch wenn ich mich selbst gerettet habe, hätte ich mir trotzdem immer jemanden gewünscht, der mich rettet.

An welcher Stelle Ihrer Heilung stehen Sie heute?

Kulka: Psychisch bin ich stabil. Ich kann meinen Alltag gut bewältigen. Allerdings habe ich manchmal noch kleine Tiefs, die mich aus der Bahn werfen, müde und erschöpft machen. Aber es ist nicht annähernd mehr so, dass ich dadurch eingeschränkt bin. Ich habe finanzielle Ängste und Zukunftsängste. Aber ich habe nicht mehr dieses exorbitante Overthinking oder diese exzessiven Suizidgedanken.

Im Buch können Sie sich völlig öffnen. Wie leicht fällt Ihnen das im Fernsehen?

Kulka: Im Fernsehen, gerade bei „Germany’s Next Topmodel“ oder im Dschungelcamp, war das nie wirklich ich. Ich habe immer eine Maske getragen und wollte nie, dass jemand in mein Inneres schaut. Nicht mal ich selbst habe zu diesem Zeitpunkt in mein Inneres geschaut. Heute ist mir wichtig, dass ich gesehen werde. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, welche Außenwirkung ich habe. Tatsächlich bin ich inzwischen auch gar nicht mehr aufgeregt vor einer Show.

Trotzdem polarisieren Sie auch gerne.

Kulka: Ich bin im Reality-TV schon sehr konfrontativ, was ich privat heute nicht mehr wäre. Ich bin viel zu alt dafür, permanent in Konfrontation zu gehen. Aber Reality-TV funktioniert nun einmal so. Und mein Temperament ist mir immer noch geblieben. Wenn es dann aus mir herausbrodelt, lasse ich es im Reality-TV auch richtig raus. Dort sind ja keine Freunde von mir, die gehen mir alle am Hintern vorbei.

Ist Reality-TV trotzdem noch das, was Sie machen möchten?

Kulka: Ich weiß es nicht. Reality-TV hat sich komplett verändert, zu meiner Zeit war das noch ganz anders. Heute ist es lauter, vulgärer und primitiver geworden. Ich sage auch längst nicht bei allem zu. Ich glaube, es kommt darauf an, wie die Formate und die Gegebenheiten sind. Meine Geschichte geht ja weiter. Ich bin so ein magnetisches Feld für Drama. Aufgrund meiner Kindheit bin ich darauf ausgerichtet, immer im Überlebensmodus zu sein. Ich kenne eigentlich nichts anderes als Stress. Für mich ist es ungewohnt, wenn es einfach rundläuft. Deswegen glaube ich manchmal, dass ich das Drama brauche.

(eyn/spot)

Bild: Sara Kulka verarbeitet ihre Vergangenheit in ihrem Buch „Das Mädchen, das ich retten musste“. / Quelle: IMAGO/PIC ONE

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