Ihre beiden schweren Erkrankungen haben Ilse Aigner (61) sehr geprägt. Im Podcast „Grant und Gloria“ spricht die bayerische Landtagspräsidentin offen über einen Tumor im Rücken, der sie als Jugendliche fast gelähmt hätte. „Das war wirklich eine sehr schwierige Zeit, vor allem, weil die Schmerzen einfach unglaublich waren und diese Ungewissheit, was eigentlich los ist“, erinnert sich die CSU-Politikerin.
Aigner steckte damals mitten im Realschulabschluss. Dass die Ursache für ihre Beschwerden so lange nicht gefunden wurde, sei „sehr belastend“ gewesen. Weil sie wegen der großen Schmerzen im Rücken nicht mehr liegen konnte, habe sie mit mehreren übereinandergestapelten Kissen am Küchentisch schlafen müssen.
Noch während einer Untersuchung setzte dann eine Lähmung ein, die zum sofortigen Handeln zwang. Die Ärzte baten ihre Eltern telefonisch um das Einverständnis für die Not-Operation. „Das war hochdramatisch“, sagt Aigner heute. Am Ende sei alles gutgegangen, „aber hätte auch sehr schiefgehen können“. Wie knapp sie tatsächlich an einer Querschnittslähmung vorbeigekommen sei, habe sie erst im Nachhinein begriffen.
Zweite Erkrankung als Ministerin
Jahrzehnte später folgte dann die zweite Diagnose. Als Agrarministerin im Kabinett von Angela Merkel (CDU) erfuhr Aigner, dass sie an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt war. Vermutlich sei das genetisch bedingt, auch ihre Schwestern seien betroffen gewesen, „wenn auch nicht so wie ich“.
Nach der Operation folgte eine Strahlentherapie, für die sie in der Klinik völlig isoliert bleiben musste. „Es war wirklich extrem“, resümiert Aigner über diese Zeit. Weil die Heilungschancen gut waren und es keine Streuung gegeben hatte, sei sie dennoch zuversichtlich geblieben.
„Was wirklich wichtig ist“
Beide Erfahrungen haben Ilse Aigners Blick aufs Leben nachhaltig verändert. Sie sehe heute manches „etwas gelassener“, erklärt sie, „weil ich weiß, was wirklich wichtig ist und was nicht“. Das gelte auch für die Aufgeregtheiten im politischen Betrieb, die man mal erlebe und mal selbst produziere. Solche Äußerlichkeiten seien für sie „vollkommen unnötig.“
Halt gibt ihr die Familie. Sie gehe zwar als Single durchs Leben, wohne aber „in einem sogenannten Dreigenerationenhaus, wo immer irgendwas los ist“. Eine neue Partnerschaft schließt sie nicht aus, in ihrer Position sei das jedoch nicht einfach: „Das würde von einem Partner viel verlangen.“ Aigner werden gute Chancen zugerechnet, im kommenden Jahr auf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu folgen. Sie wäre die erste Frau im Amt des Staatsoberhaupts.
(eyn/spot)
Bild: Ilse Aigner hatte einen Tumor im Rücken sowie Schilddrüsenkrebs. / Quelle: IMAGO/Rolf Poss





