Hape Kerkeling (61) rechnet nicht damit, im kommenden Jahr der Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier (70) zu werden. Ein klares Nein zu einer Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten mag der Entertainer aber auch nicht aussprechen. Im Interview mit dem „Spiegel“ äußert er sich zu der Online-Petition, die ihn zum Staatsoberhaupt machen will.
„Das hat mich gerührt, und ich nehme es so ernst, wie es gemeint ist“, sagt Kerkeling über die Initiative. Er habe nicht unterbinden wollen, dass jemand mit der Idee an die Öffentlichkeit geht, eine queere Person solle Staatsoberhaupt werden. Zum Erfolg werde das sicherlich nicht führen. Die Debatten, die daraus entstehen, täten einer freien Gesellschaft aber gut. Absurd finde er die Petition deshalb nicht.
Ohne die Union geht es nicht
Gefragt, ob er überhaupt antreten würde, verweist Kerkeling auf die CDU: „Ohne die CDU würde es nicht gehen. Und die wird jemanden nach ihrer Vorstellung küren. Da wollen wir hoffen, dass die Wahl auf die richtige Dame fällt.“
Kerkeling bleibt zudem bei einer eigenen möglichen Kandidatur im Ungefähren: „Es wird nicht dazu kommen. Und sollte die Frage ernsthaft an mich herangetragen werden, dann bin ich Ihnen eine Antwort schuldig.“
Gewählt wird am 30. Januar 2027
Gestartet wurde die Petition vor rund einem halben Jahr von Mark Wege auf der Campact-Plattform WeAct. Laut „Spiegel“ handelt es sich um einen Bürger aus Bremen. Am Mittwoch zählte die Seite rund 156.000 Unterschriften, das Ziel liegt bei 200.000. Gerichtet ist der Aufruf an die Fraktionsspitzen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken im Bundestag. Sie sollen Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für die Wahl am 30. Januar 2027 nominieren.
Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten können von jedem Mitglied der Bundesversammlung vorgeschlagen werden. In der Praxis stimmen sich die Parteien darüber ab. Gewählt wird das Staatsoberhaupt von der Bundesversammlung, die aus den Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Vertretern der Länder besteht. Eine Online-Petition hat darauf keinen direkten Einfluss.
Den Anstoß zu der Petition gab Kerkelings Rede in der Gedenkstätte Buchenwald am 12. April 2026. Dort sprach er als Enkel von Hermann Kerkeling, den die Nationalsozialisten im KZ inhaftiert hatten. Auf der Petitionsseite werden positive Reaktionen auf die Initiative genannt, darunter von Hella von Sinnen, Margot Käßmann, Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek und Cornelia Scheel, der Tochter des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel. Die Initiatoren räumen dort selbst ein, dass Kerkeling bislang nicht gefragt wurde, ob er kandidieren möchte.
„Nun klinge ich allerdings wie Helmut Kohl“
Was die Unterzeichner bei ihm suchen, erklärt sich Kerkeling so: Die Menschen wollten keine Phrasen mehr hören, sie wollten mitgenommen werden und wünschten sich eine Vision für das Land. Nach einem Plädoyer für Frieden, Freiheit und gute Nachbarschaft in Europa folgt prompt die Selbstironie: „Nun klinge ich allerdings wie Helmut Kohl.“
Ganz fremd ist ihm die politische Bühne nicht. „Komiker ist meine Berufung, aber meine Leidenschaft ist Politik. Das stelle ich jetzt tatsächlich im Alter fest“, sagt er. Für Aufsehen sorgte zuletzt sein Auftritt bei einer Anhörung im Thüringer Landtag Ende September zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren. Danach habe er weit über 2.000 E-Mails mit Zuspruch erhalten, aber auch rund 150 Zuschriften von AfD-Anhängern, die meisten davon „beschämend und niederträchtig“.
Als Wahlkampfunterstützer oder Redner einer Partei aufzutreten, wie es der Publizist Michel Friedman inzwischen für die Grünen tut, kann sich Kerkeling dennoch kaum vorstellen: „Ich täte mich wohl schwer damit.“
(jom/spot)
Bild: Hape Kerkeling for Bundespräsident? Der Komiker hat sich nur vage zu einer Kandidatur geäußert. / Quelle: imago images/EHL Media / Björn Stach





