„Sarah Connor?“: Als sich im Jahr 1984 ein steirischer Hüne mit ebenso gewaltigem Akzent nach diesem Namen erkundigte, ahnte wohl noch niemand, dass damit gerade ein Stück Actionfilmgeschichte geschrieben wurde. Arnold Schwarzenegger (79) versus Linda Hamilton (70) – zugegebenermaßen mit fleißiger Unterstützung von Michael Biehn (70) als Beschützer Kyle Reese -, so lautete in James Camerons (72) erstem Meisterstreich „Terminator“ das ungleiche Duell. Das am Ende doch glatt die zunehmend abgehärtete Kellnerin mit Föhnfrisur für sich zu entscheiden wusste: „Du bist terminiert, Scheißkerl!“
Mit der Geburtsstunde des „Terminator“-Franchises begann zugleich Hamiltons Karriere als tougher weiblicher Actionstar. Bemerkenswert ist, dass sich vergleichbare Hollywood-Heldinnen selbst mehr als 40 Jahre später – und pünktlich zu ihrem 70. Geburtstag am 26. September – noch immer fast an einer Hand abzählen lassen.
Familiendrama statt Feuerkraft
Ihren Auftakt im Filmgeschäft feierte Hamilton noch am anderen Ende des Filmspektrums. 1980 hatte sie im Fernsehfilm „Verhängnisvolle Leidenschaft“ die Hauptrolle neben Mickey Rourke (74) inne. Nach mehreren kleineren Parts folgte in ihrem Durchbruchsjahr 1984 zunächst die tragende weibliche Rolle in der Stephen-King-Verfilmung „Kinder des Zorns“.
Das ist selbstredend nicht der Film, der einem aus dieser Ära umgehend in den Kopf schießt, wenn man den Namen Linda Hamilton hört. Ein unbekannter Regisseur namens James Cameron brachte im gleichen Jahr einen Low-Budget-Sci-Fi-Streifen in die Kinos. Zeitreise, Killer-Roboter, jede Menge Blut und Gewalt – auf dem Papier ein klassischer Mix aus B-Movie trifft Exploitation. Und dann auch noch dieser Titel … „Terminator“.
Doch der Film entpuppte sich trotz des geringen Budgets und der Unerfahrenheit des Regisseurs als technisch bahnbrechender, inhaltlich cleverer und mutiger Action-Maßstab für die folgenden Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte.
Für Schwarzenegger, der zuvor schon als Conan der Barbar wortkarg die Muskeln flexen durfte, war spätestens jetzt der weitere Weg in Hollywood vorgezeichnet. Bei Hamilton nahm die Karriere hingegen nicht so rasant an Fahrt auf. Zunächst blieb sie zwei Jahre nach „Terminator“ mit dem weitestgehend in Vergessenheit geratenen Film „Black Moon“ der Sci-Fi-Action treu.
Ihre nächste vielbedachte Rolle fand sie jedoch erst 1987 – und das nicht auf der Leinwand, sondern im TV: An der Seite von Ron Perlman (76) war sie 46 Folgen lang in einer modernen Neuinterpretation der „Die Schöne und das Biest“-Geschichte zu sehen. Sowohl eine Emmy- als auch eine Golden-Globe-Nominierung brachte die Serie Hamilton ein.
Sarah Connor ist zurück
Als es gerade so aussah, als würde Hamilton keine großen Parts in Hollywood mehr erhalten, schneite ein alter Bekannter aus der Zukunft vorbei. Mit „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ setzte Cameron die Geschichte raffiniert fort und hob sie zugleich ins Blockbuster-Kino. Arnies T-800 war plötzlich einer von den Guten, Sarah Connor inzwischen eine gestählte Kämpferin und das Hauptziel des neuen Gegners, des übermächtigen T-1000 (Robert Patrick), ihr Sohn John (Edward Furlong).
Bis heute gilt „T2“ als Goldstandard für die Frage, wie eine Filmfortsetzung auszusehen hat. Der Lohn: Vier von sechs möglichen Oscars heimste der Streifen ein, wobei diese allesamt technischer Natur waren.
Doch erneut blieben nach diesem Kinoerfolg die großen Rollen für Hamilton aus. Im Gegensatz zum Vulkan-Katastrophenfilm „Dante’s Peak“, in dem sie neben dem damals amtierenden James Bond Pierce Brosnan (73) zu sehen war, schrieb ihr Privatleben die größeren Schlagzeilen. Schließlich ging sie im selben Jahr den Bund der Ehe mit „Terminator“-Regisseur James Cameron ein. Die Ehe, aus der eine gemeinsame Tochter hervorging, hielt allerdings nur rund zwei Jahre. Die beiden hätten schlichtweg nicht zusammengepasst, resümierte die Schauspielerin später: „Überall, wo er konvex ist, bin ich konkav.“
Die falsche „Terminator“-Timeline
Mit der weiteren Zukunft der „Terminator“-Reihe hatten dann zunächst beide nichts mehr am Hut. Hamiltons Figur wurde im dritten Teil namens „Rebellion der Maschinen“ von 2003 kurzerhand off-screen gekillt. Entsprechend tauchte sie auch nicht in Teil vier („Die Erlösung“) und fünf („Genisys“) auf, die beide nicht zu überzeugen wussten.
Erst 2019 wurde versucht, diesen Frevel zu korrigieren. „Terminator: Dark Fate“ wurde als direkter Nachfolger zu Teil zwei ins Kino gebracht, der alle Ausgaben dazwischen geflissentlich ignorierte. Folglich war auch Linda Hamilton wieder als Sarah Connor mit am Start – doch zu diesem Zeitpunkt war der Killerroboter längst in den Brunnen gefallen.
Das einst gefeierte Franchise lockte trotz der Rückkehr von Schwarzenegger und Hamilton (sowie Cameron als Produzent) kaum noch ins Kino – der Verlust des kostspieligen Flops wird auf mindestens 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Da verwundert es nicht, dass es seither keine Pläne für eine erneute Rückkehr der Sci-Fi-Reihe gibt. Am Ende terminierte sich der Terminator doch glatt selbst.
Hamilton suchte nach der Enttäuschung derweil einmal mehr ihr Heil im Serienfach. Zunächst in der komödiantischen Sci-Fi-Serie „Resident Alien“, dann in der finalen Staffel des Netflix-Hits „Stranger Things“.
Ausnahmsweise nichts mit Sci-Fi und/oder Mystery zu tun hat ihr nächstes Filmprojekt: In „Trust Me, I’m a Doctor“ wird die reale Geschichte über Dr. Sandeep Kapoor erzählt. Der Arzt, der in den Tod seiner ehemaligen Patientin, Model und Reality-TV-Star Anna Nicole Smith, verwickelt wird. Hamilton spielt dessen Strafverteidigerin Ellyn Garofalo. Statt mit dem Terminator bekommt sie es dann also mit der US-amerikanischen Rechtsprechung zu tun. Ebenfalls beängstigend.
(stk/spot)
Bild: Linda Hamilton ist eine Ikone des Actionkinos. / Quelle: Photo by Skip Bolen/Getty Images

