Zwei der vier nach Oslo gebrachten Reichsinsignien sind seit Tagen nicht öffentlich zu sehen, und das norwegische Königshaus will nicht sagen, wo sie liegen. Auf der Bahre von König Harald (1937-2026) in der Schlosskapelle ruhen nur die Königskrone und das Reichsschwert. Zepter und Reichsapfel fehlen. Auf mehrere Anfragen der Zeitung „VG“, wo die beiden Stücke geblieben sind, hat der Hof bislang nicht geantwortet.
Dabei hatte das Königshaus nach dem Tod des Monarchen selbst etwas anderes angekündigt. In seiner ersten Mitteilung hieß es, Krone, Reichsschwert, Zepter und Reichsapfel würden auf der Bahre platziert.
Der Hof änderte seinen Text
Auf der Website des Königshauses steht inzwischen nur noch, dass Königskrone und Reichsschwert auf der Bahre platziert werden. Der Tradition entspricht das: Beim Tod eines Monarchen kommen lediglich diese beiden Stücke auf den Sarg. Auch die Informationsseite des Hofes zu den Reichsinsignien nennt laut „VG“ in diesem Zusammenhang ausschließlich Krone und Schwert. Seit dem Tod von König Carl Johan im Jahr 1844 liege das Schwert neben der norwegischen Krone auf dem Sarg des Monarchen, heißt es dort.
„VG“ hat sich zudem Aufnahmen der beiden Vorgänger angesehen. König Haakon starb 1957, König Olav 1991. Auf den Bildern ihrer Bahren in der Schlosskapelle sind ebenfalls nur Krone und Schwert zu erkennen.
Alle vier Stücke kamen nach Oslo
Am Todestag des Königs bestätigte Stabschef Harald Nilssen von der Osloer Polizei, dass die Insignien in Oslo eingetroffen seien. Transportiert wurden alle vier Objekte. Ihr üblicher Aufbewahrungsort ist der Erzbischofshof in Trondheim, wo Besucher sie normalerweise besichtigen können. Seit gut einer Woche liegen sie in Oslo, öffentlich gezeigt wurden aber nur zwei davon.
Verantwortlich für die Insignien ist die für den Nidarosdom zuständige Restaurierungs- und Denkmalpflegeeinrichtung NDR. Deren Direktor Oddmund Hoel sagte „VG“, alle vier Stücke seien auf Bestellung des Schlosses aus ihren Vitrinen genommen und nach Oslo gebracht worden, die Schaukästen in Trondheim seien nun leer. Weitere Fragen müssten an das Schloss gerichtet werden. Wo Zepter und Reichsapfel geblieben seien, dazu könne er nichts sagen.
Forscher wunderte sich über den Transport
Der NDR-Experte Øystein Ekroll räumte gegenüber „VG“ ein, ihn habe die Entscheidung überrascht. Bisher seien nur zwei der vier Insignien verwendet worden, insofern habe es sich um eine Änderung gehandelt. Als dann die Bilder von der Bahre auftauchten, sei ihm aufgefallen, dass etwas fehlte. Er habe Schwert und Krone gesehen und sich gefragt, wo die anderen beiden seien.
Ekroll vermutet, dass es zu Beginn schnell gehen musste und mehr bestellt wurde als am Ende gebraucht wurde. Er betonte, dass es sich dabei um reine Spekulation handele. Die Trauerfeier werde er im Fernsehen verfolgen, möglicherweise tauchten die beiden Stücke dort ja doch noch auf.
„VG“ wollte vom Hof wissen, warum alle vier Insignien nach Oslo gebracht wurden, warum der Text auf der Website geändert wurde und ob die Verlegung von Zepter und Reichsapfel ein Fehler war. Pressesprecherin Sara Svanemyr antwortete lediglich, die vier Objekte seien gemeinsam nach Oslo transportiert worden; der Tradition entsprechend lägen Königskrone und Reichsschwert auf der Bahre.
Der Großteil der Insignien entstand zur Krönung von Carl Johan im Nidarosdom im Jahr 1818. Die Stücke gelten weiterhin als wichtige Symbole. Mehrere Tausend Menschen kamen in den vergangenen Tagen in die Schlosskapelle, um die Bahre zu sehen.
(jom/spot)
Bild: Der Sarg von König Harald V. in der Palastkapelle. / Quelle: ddp/STELLA Pictures






