Im September startet Tahnee (34) mit ihrem vierten Solo-Programm „Ein Touch Too Much“ ihre neue Comedy-Tour. Seit mehr als 15 Jahren gehört die 34-Jährige zur deutschen Comedy-Szene. Ihren ersten TV-Auftritt hatte sie 2011 beim „RTL Comedy Grand Prix“, später folgten zahlreiche Formate, darunter die zweite Staffel von „LOL: Last One Laughing“. Zu ihren Markenzeichen zählen ihre Parodien von Prominenten wie Heidi Klum, Helene Fischer und Anke Engelke.
In ihrem neuen Programm richtet Tahnee den Blick nun wieder stärker auf sich selbst. „Ein Touch Too Much“ kreist um das Gefühl, „zu viel“ zu sein – und um eine Eigenschaft, die das Leben zugleich spannend und unberechenbar machen kann. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Tahnee, wie ein neues Programm bei ihr entsteht, was sie selbst zum Lachen bringt und welcher peinliche Bühnenmoment ihr bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Bastian Pastewka hat Sie einmal als „stärkste Comedyfrau ihrer Generation“ bezeichnet. Was löst so ein großes Lob bei Ihnen aus?
Tahnee: Das ist ein unglaubliches Kompliment. Ich schätze Bastian Pastewka unheimlich. Für mich ist er einer der begnadetsten Künstler, die wir haben. Dass so etwas von ihm kommt, ist toll. Ich glaube, wenn man diesen Beruf macht, dann macht man ihn mit Herzblut. Aber Comedy ist und bleibt total subjektiv in der Wahrnehmung. Der eine kann das, was ich mache, grottig finden, der andere sagt: „Oh, das ist aber total lustig.“ Das ist einfach das Berufsrisiko. Aber wenn man das so authentisch wie möglich macht, dann ist es das Beste, was man tun kann.
Was bringt Sie selbst zum Lachen – und wer schafft das besonders zuverlässig?
Tahnee: Das ist ganz unterschiedlich. Ich liebe Situationskomik. Wenn man mit Familie oder Freunden zusammensitzt, passiert plötzlich irgendetwas – mitten im Gespräch oder jemand lässt etwas fallen. Solche spontanen Situationen finde ich wahnsinnig komisch. Ich mag aber auch Slapstick, obwohl der hierzulande gar nicht mehr so präsent ist. Da denke ich zum Beispiel an „Die nackte Kanone“, das finde ich sehr amüsant. Diese Art der Übertreibung lebe ich selbst auf der Bühne aus, deshalb gefällt mir das wahrscheinlich so gut. Gleichzeitig kann ich auch über sehr klugen Humor lachen, bei dem man denkt: „Boah, da hat jemand richtig um die Ecke gedacht.“
Bald geht es für Sie wieder auf Tour. Wie gehen Sie bei der Entwicklung eines neuen Programms vor?
Tahnee: Am Ende sind es unzählige Momente, die ein Programm ausmachen. Das werden alle Comedians bestätigen: Ein Programmtitel ist letztlich nur eine Hülle, ein erster Anreiz, mehr nicht. Das eigentliche Programm besteht aus Tausenden kleiner Geschichten, kleinen Momenten und Beobachtungen. Meine Notiz-App auf dem Handy ist ständig gefüllt. Sobald ich etwas sehe oder erlebe, das mich inspiriert, landet es dort. Wenn es dann wirklich ernst wird und ich mich ein, zwei Monate konzentriert an die Ausarbeitung mache, füge ich all diese Fragmente zu einem Ganzen zusammen.
Gab es beim Sammeln von Material auch Momente, in denen Sie dachten: „Das wird doch nichts“?
Tahnee: Dieser Moment – „Das wird nichts“ – kommt immer wieder. Er ist zugleich das Beste und das Schlimmste an diesem Beruf. In solchen Augenblicken fällst du immer wieder in die Rolle eines Praktikanten zurück. Wenn ich zu Hause sitze und das Programm schreibe, weiß ich nie: Funktioniert davon überhaupt etwas? Mit der Erfahrung von über 15 Jahren auf der Bühne kann ich zwar darauf vertrauen, dass es am Ende hinhaut. Doch eine Garantie gibt es nicht. Es gibt Momente auf der Bühne, da denkst du: „Das hier hat niemanden interessiert, da hat keiner gelacht.“ Und dann stehst du da und denkst: „Ach du Heiland.“ Das ist hart, aber da müssen wir alle durch. Gerade die Anfangsphase eines neuen Programms ist brutal. Gleichzeitig macht genau das den Beruf so spannend: Du bleibst im Kopf frisch. Und am Ende haut es schon hin.
Was war bisher Ihr peinlichster Moment auf der Bühne?
Tahnee: Es gibt natürlich immer wieder peinliche Momente, meistens liegt es aber am Setting. Mittlerweile sind die Rahmenbedingungen, unter denen ich auftrete, gut planbar. Gerade am Anfang gab es allerdings Auftritte, bei denen du nur dachtest: „Ach du Heiland!“ Ich erinnere mich an diverse Firmenfeiern oder Karnevalsveranstaltungen.
Mit Anfang 20 hatte ich gerade einmal 20 Minuten Material, als ich zu einer Karnevalssitzung eingeladen wurde. Am Bahnhof holte mich schon eine komplette Garde in Kostümen ab. Im Zelt saßen rund 1.000 Leute, klassisches Bierzelt: Alle waren betrunken und niemand hörte zu. Es war furchtbar. Irgendwann versuchten sie sogar, mich mit Fußballtröten von der Bühne zu hupen. Dann kam der Präsident des Elferrats zu mir, nahm mir das Mikrofon aus der Hand und sagte: „Hier, das Mädchen versucht euch etwas zu erzählen, und ihr seid nur am Hupen. Das ist eine Frechheit. Willst du noch weitermachen?“ Und ich nur: „Nee!“ Ich bin von der Bühne gegangen und habe erst mal geweint. Damals war es schlimm, im Nachhinein ist es auch irgendwie lustig.
Passend zum Titel Ihres neuen Programms: Was ist bei Ihnen selbst manchmal ein „Touch Too Much“ – und darf es auch gerne bleiben?
Tahnee: Ich glaube, ich würde genau dieses „Too Much“ niemals auf Sparflamme drehen wollen. In meinem Kopf ist eigentlich ständig Rushhour: zu viele Gedanken, Figuren, Stimmen und alle wollen gleichzeitig abbiegen. Manchmal denke ich selbst: „Okay, das ist jetzt wirklich ein Touch too much.“ Aber ich kenne mich gar nicht anders. Und inzwischen denke ich: Lieber ein bisschen zu viel als erschreckend gut dosiert.
(des/spot)
Bild: Tahnee gab in „Horst Schlämmer sucht das Glück“ ihr Kinodebüt. / Quelle: IMAGO/Sven Simon






