Er sitzt dreimal pro Woche in einer der einflussreichsten Talkshows des Landes als Moderator, doch den Job wollte er ursprünglich nie haben. „Ich wollte Produzent werden, in einem Studio sitzen und Musik machen“, sagt Markus Lanz (57) der „Zeit“. „Das Leben hatte etwas anderes für mich vorgesehen.“
Er übe seinen Beruf zwar „wahnsinnig gerne“ aus, aber es sei nie das gewesen, was er „im Kern meiner Seele immer tun wollte“. Für Lanz sei seine Fernsehkarriere „die zweitbeste Option. Die Frage ist, ob man seinen Frieden damit macht.“ In seinem Alter schule man nicht mehr so leicht um wie mit 40, denn das Leben sei „entweder gut oder schlecht, es gibt aber kein Zurück.“ Für den Moderator zähle heute nur noch die Familie und die Arbeit, „der Rest ist nicht so wichtig“.
„Ich habe dem Fernsehen immer misstraut“
Zu dem Medium, das ihn groß gemacht hat, hatte Lanz ohnehin nie ein ungetrübtes Verhältnis. „Ich habe dem Fernsehen immer misstraut, und das war auch gut so“, betont er. Dieses Misstrauen richtet sich vor allem gegen die Laune der Branche: „Jemanden vor eine Kamera zu holen, ist ein völlig willkürlicher Akt“, so der 57-Jährige. Ein Programmdirektor entscheide über die Personalie. Deshalb sei es ihm schon während seiner Zeit bei RTL wichtig gewesen, auch hinter den Kulissen Karriere zu machen, „weil mir das solider und nachhaltiger erschien.“
Dass er überhaupt bei dem Sender landete, verdankt Lanz seinem Rauswurf bei Radio Hamburg. Wegen seines „subversiven politischen Engagements“ mithilfe des Songs „F…! Chirac“ über die damals kontrovers diskutierten französische Atomtests, habe er sein Volontariat dort nicht beenden dürfen. Bei RTL Nord hatte man da bereits ein Auge auf ihn geworfen. „In Wahrheit war der Rausschmiss ein großes Glück und eine wichtige Lehre: Egal, was passiert, es geht immer weiter“, sagt Lanz.
Flucht wegen „Wetten, dass..?“
Ab 1997 moderierte Markus Lanz zirka zwei Jahre lang „Guten Abend RTL“, danach rund zehn Jahre das Boulevardmagazin „Explosiv“. Seit 2008 läuft dreimal pro Woche die nach ihm benannte Talkshow im ZDF. Nach dem Abschied von Thomas Gottschalk versuchte er es von 2012 bis 2014 auch als „Wetten, dass..?“-Moderator, scheiterte damit aber. Wegen dieses Rückschlags habe er sogar darüber nachgedacht, die Branche hinter sich zu lassen.
„Nach meinem Desaster als ‚Wetten, dass..?‘-Moderator hatte ich tatsächlich diese Rückfallposition im Kopf: Notfalls gehe ich wieder in die Berge“, sagt der gebürtige Südtiroler. Dort drehe sich alles um das richtige Wetter und den Schnee. „Dort bist du einfach der, der du immer warst“, erklärt Lanz.
Respekt ja, Angst nein
Doch Lanz blieb und begrüßt bis heute unzählige Gäste in seiner Talkshow. Angst vor einem Talkshowgast kennt er nach eigener Aussage im Übrigen nicht. Vielmehr wolle er dem Anspruch der Zuschauer und des Senders gerecht werden und verhindern, dass ein Gespräch misslinge. „Davor habe ich Respekt, aber ich bin angstfrei.“ Denn Angst könne er sich schlicht nicht leisten: „Sonst könnte ich im entscheidenden Moment nicht ein bisschen härter rangehen.“
(eyn/spot)
Bild: Markus Lanz wechselte im Jahr 2008 zum ZDF. / Quelle: IMAGO/teutopress


