Helfen sei „multipliziertes Glück“. Diesen Satz nahmen die Gäste am Sonntag von Schloss Albrechtsberg mit nach Hause, und er stammt von dem Mann, der an diesem Vormittag im Mittelpunkt stand: Samuel Koch (38). Der Schauspieler wurde mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden ausgezeichnet – und nutzte die Ehrung für einen eindringlichen Appell: Die Menschen sollten wieder mehr füreinander da sein und einander helfen.
Zu der Verleihung begleitete ihn seine Mutter Marion Koch, die stolz mit ihrem Sohn für die Fotografen posierte.
Dass mit dieser Auszeichnung ausgerechnet sein soziales Engagement gewürdigt werde, sei für ihn eine freudige Überraschung gewesen, sagte der 38-Jährige.
Warum sich die Jury für ihn entschied
Die Laudatio übernahm Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ausgezeichnet werde hier eine „Haltung der Aufrichtigkeit, die andere aufrichtet“, sagte sie. Koch rede über Hoffnung, ohne dabei die Wirklichkeit schönzureden.
Tobias Wolf, Co-Vorsitzender des Presseclubs, unterstrich die drei Begriffe Teilhabe, Mut und gelebte Inklusion. Genau dafür stehe Samuel Koch, und genau diese Werte würdige der Verein seit über drei Jahrzehnten mit dem Preis.
Der Presseclub hatte Mitte Juli verkündet, dass der Preis in diesem Jahr an Samuel Koch geht. Er werde für sein Engagement für ein respektvolles Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap geehrt. Sein Mut inspiriere Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Samuel Koch war Kunstturner, bevor ein schwerer Unfall in der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ im Jahr 2010 sein Leben grundlegend veränderte. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Von seinen beruflichen Plänen ließ er sich jedoch nicht abbringen: 2014 schloss er sein Schauspielstudium mit Diplom ab und ist seither erfolgreich als Schauspieler tätig. Auch privat begann für Koch zuletzt ein neues Kapitel: Im Dezember 2025 wurden er und seine Ehefrau Sarah Elena Eltern ihres Sohnes Romeo.
Das Geld spendet er an zwei Vereine
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Summe wird vom Preisträger für einen sozialen, kulturellen oder karitativen Zweck gespendet, so sehen es die Regeln vor.
Koch teilt das Geld in zwei Hälften. Eine geht an den inklusiven Kunst- und Kulturverein „farbwerk“, die andere an den „Samuel Koch & Freunde e. V.“. Mit diesem Verein setzt sich der Schauspieler seit 2019 für Barrierefreiheit in Kunst, Kultur und Freizeit ein und unterstützt Menschen, die anderen in Notlagen zur Seite stehen.
In einer Reihe mit Gauck und Hildebrandt
Vergeben wird der Erich-Kästner-Preis seit 1994. Der Presseclub Dresden zeichnet damit Persönlichkeiten aus, die sich um den Gedanken der Toleranz, der Humanität und der Völkerverständigung verdient gemacht haben. Benannt ist er nach dem Schriftsteller und Publizisten, der in Dresden geboren wurde.
Die Liste der bisherigen Preisträger ist prominent besetzt. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck gehört dazu, ebenso die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und Gunter Demnig, der die „Stolpersteine“ ins Leben rief. Kabarettist Dieter Hildebrandt bekam die Auszeichnung 2013, wenige Monate vor seinem Tod.
(ae/spot)
Bild: Marion Koch begleitete ihren Sohn Samuel nach Dresden. / Quelle: ddp/Geisler/Matthias Wehnert







