Ist das alles nur geklaut, und gestohlen, nur gezogen, und geraubt? Was die Prinzen schon 1993 besangen, ist für den US-amerikanischen Drehbuchautor, Regisseur und Schöpfer des „Yellowstone“-Imperiums, Taylor Sheridan (56), gerade bittere Gegenwart.
Die Autorin Lauren J. Salkin wirft Taylor Sheridan vor, den Stoff für das Erfolgsformat aus einem Exposé übernommen zu haben, das sie ihm 2016 vorgelegt hatte. Eine entsprechende Klage reichte sie am Freitag ein, wie das US-Branchenblatt „Variety“ berichtet, dem die Unterlagen vorliegen. Als Beklagte führt Salkin neben Sheridan auch 101 Studios, Paramount und die Managementagentur Elevate Entertainment auf.
Auf ihre Absage folgte die „Yellowstone“-Bestellung
Nach eigener Darstellung hatte Salkin 2016 ihr Western-Drama „Sovereign Nation“ bei Elevate Entertainment eingereicht, der Managementagentur von Sheridan. Die Absage fiel knapp aus: Taylor bedanke sich für das Interesse, stehe für Fernsehprojekte jedoch leider nicht zur Verfügung.
Genau daran setzt die Klage an. Sheridan sei sehr wohl verfügbar gewesen, heißt es in der Klageschrift. Stattdessen habe er gemeinsam mit anderen Salkins urheberrechtlich geschützte Arbeiten genutzt, um „Yellowstone“ zu entwickeln. Nur wenige Monate nach der Absage an Salkin habe Paramount die Serie bestellt. Am 20. Juni 2018 lief die erste Folge im Paramount Network.
Die gleichen Schauplätze
In ihrer Klage führt Salkin mehrere Parallelen zwischen „Yellowstone“ und „Sovereign Nation“ an. So soll in beiden Stoffen ein Casino eines indigenen Stammes als politisches und wirtschaftliches Machtzentrum dienen, in dem Einfluss und Erschließungspläne zusammenlaufen. Auch eine Schlüsselszene im Büro des Stammesvorsitzenden, in der es um eine Ausdehnung über die Grenzen des Reservats hinaus geht, weise nach ihrer Darstellung deutliche Ähnlichkeiten auf.
Auch die Besetzung soll übereinstimmen
Einen weiteren Punkt hebt Salkins Anwaltsteam hervor: In ihrem Pitch habe die Autorin Danny Huston und Gil Birmingham für „Sovereign Nation“ vorgeschlagen. Beide wurden später für „Yellowstone“ verpflichtet, der Klage zufolge in strukturell vergleichbaren Funktionen. Birmingham verkörpere den politischen Führer des Stammes, dessen Autorität über das Casino läuft. Huston spiele den Investor von außen, der den Weg für die Ausdehnung ebnet.
Der Vergleich beider Werke ergebe ein wiederkehrendes Muster, argumentiert die Klageschrift: Casinos als Zentrum politischer Macht, dieselben ungewöhnlichen Mechanismen der Landerschließung und dieselben Schauspieler in vergleichbaren Rollen. Das seien keine bloßen Genre-Überschneidungen. Zusammen mit dem Zugang zum Material und dem zeitlichen Ablauf stützte der Sachverhalt laut Klägerinnen-Seite den starken Verdacht, dass kopiert worden sei.
Die Frage nach dem Zeitpunkt
Sind Salkins Entwürfe und Sheridans Serie also letztendlich dasselbe in Grün – beziehungsweise in Yellow? Was angesichts all dieser mutmaßlichen Gemeinsamkeiten zwischen ihren Ideen und der tatsächlichen TV-Umsetzung verwundert: Warum wartete Salkin ganze zehn Jahre nach ihrem Pitch, um gerichtlich gegen Sheridan vorzugehen? Die Gemeinsamkeiten müssten ihr jedenfalls schon geraume Zeit aufgefallen sein. Zumal das Franchise seither in aller Munde ist.
Mehr noch als hierzulande ist das „Yellowstone“-Universum in den USA ein gigantischer Erfolg. Der Hauptserie mit Kevin Costner in der Hauptrolle entsprangen inzwischen bereits vier Ableger: „1883“, „1923“, „Marshals: A Yellowstone Story“ sowie „Dutton Ranch“. Mit „1944“ ist aktuell außerdem schon das nächste Spin-off angekündigt. Das ebenfalls geplante „6666“ über die texanische Four Sixes Ranch sagte Sheridan dagegen zuletzt ab.
(stk/spot)
Bild: Stammt die Idee für „Yellowstone“ wirklich von Taylor Sheridan? / Quelle: imago/Cover-Images/Brandi Benton/Startraksphoto.com

