Am 19. August feiert Bill Clinton seinen 80. Geburtstag. Auch im hohen Alter zeigt sich der frühere US-Präsident gut gelaunt und humorvoll. So scherzte er etwa darüber, noch immer jünger zu sein als Donald Trump (80). Der amtierende US-Präsident hatte seinen 80. Geburtstag bereits am 14. Juni gefeiert.
Ein schwerer Start ins Leben
Geboren wurde Bill Clinton als William Jefferson Blythe III. in der Kleinstadt Hope im US-Bundesstaat Arkansas. Seinen Vater, den Handelsreisenden William Jefferson Blythe Jr., lernte er nie kennen: Er kam bereits drei Monate vor der Geburt seines Sohnes bei einem Autounfall ums Leben. Als seine Mutter für eine Ausbildung ins rund 800 Kilometer entfernte New Orleans ging, blieb der kleine William, den alle nur Bill nannten, zunächst bei seinen Großeltern in Hope.
Sie betrieben dort einen Lebensmittelladen und gewährten ihren Kunden unabhängig von ihrer Hautfarbe Kredit – zu einer Zeit, als in Arkansas noch die „Rassentrennung“ galt. Als Bill vier Jahre alt war, kehrte seine Mutter aus New Orleans zurück und heiratete den Autohändler Roger Clinton Sr. Gemeinsam zog die Familie später nach Hot Springs, wo Bill einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte.
Der Stiefvater war ein spielsüchtiger Alkoholiker, der im Rausch oft die Familie schlug, vor allem seine Frau. Mit fünf musste Bill sogar miterleben, wie der Mann auf seine Mutter schoss. „Ich habe meinen Stiefvater nie gehasst, weil ich wusste, dass sein Alkoholismus eine Krankheit war“, sagte er viele Jahre später im Interview mit Oprah Winfrey. „Das Verrückte am Zusammenleben mit einem Alkoholiker“ sei, dass „die meisten von ihnen gute Menschen sind. Sie sind nicht von Natur aus böse. Die meisten werden von Dämonen, Ängsten und Unsicherheiten getrieben und hassen sich selbst für das, was sie tun.“
Sein politisches Interesse erwacht früh
Als Jugendlicher nahm Bill offiziell den Nachnamen seines Stiefvaters an. Das Verhältnis der beiden blieb schwierig, dennoch erkannte Roger Clinton offenbar das Potenzial seines Stiefsohns. Vor allem dessen wohlhabender Bruder Raymond unterstützte Bills weiteren Weg auch finanziell und half später bei seinem ersten Kongresswahlkampf.
Auf der Highschool ist Bill Clinton beliebt, er kann reden wie kein Zweiter, wird zum Senator der Boys Nation gewählt, darf als solcher bei einem Washington-Besuch dem US-Präsidenten John F. Kennedy die Hand schütteln. Besonders beeindruckt ist der Junge, der in Arkansas die Rassentrennung miterlebt, vom Schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King Jr., dessen „I Have a Dream“-Rede er auswendig lernt.
Hillary wird zur Partnerin an seiner Seite
Entscheidend für seinen politischen Weg ist die Begegnung mit seiner späteren Frau Hillary (78). Er lernt sie 1971 in der Bibliothek von Yale kennen. Die beiden verlieben sich und werden unzertrennlich. Hillary ist nicht nur eine brillante Juristin, sie hat auch einen politischen Instinkt. Sie wird zum entscheidenden Motor in Bill Clintons politischer Karriere. Das Paar heiratet 1975, Tochter Chelsea kommt 1980 zur Welt.
Vom Gouverneur ins Weiße Haus
Bill Clintons politische Karriere verläuft rasant: Mit 32 Jahren tritt er 1979 erstmals das Amt des Gouverneurs von Arkansas an – und verliert bereits 1980 die Wiederwahl. 1982 gelingt ihm das Comeback, ab 1983 regiert er den Bundesstaat erneut. Zehn Jahre später folgt der Sprung ins Weiße Haus: Von 1993 bis 2001 ist Clinton US-Präsident. Seine Amtszeit fällt in eine Phase starken wirtschaftlichen Wachstums und einer voranschreitenden Globalisierung.
Der Lewinsky-Skandal überschattet seine Präsidentschaft
Seine erfolgreiche Präsidentschaft wird jedoch vom Sexskandal im Weißen Haus überschattet. Clinton hat eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky (53). Der Skandal gipfelt in einem Amtsenthebungsverfahren, in dem Clinton schließlich vom Senat freigesprochen wird. Zugleich rücken frühere Beziehungen und Vorwürfe aus seiner Zeit in Arkansas in den Fokus. Unter Eid räumt Clinton eine sexuelle Begegnung mit der Autorin Gennifer Flowers ein. Die ehemalige Regierungsangestellte Paula Jones hatte ihn bereits 1994 beschuldigt, sie während seiner Zeit als Gouverneur von Arkansas sexuell belästigt zu haben. Der Rechtsstreit endet mit einer Zahlung Clintons von 850.000 Dollar – ohne Schuldeingeständnis oder Entschuldigung.
Bill Clinton nach seiner politischen Karriere
Heute ist es um den einstigen US-Präsidenten ruhiger geworden. Nach einer vierfachen Bypass-Operation 2004 und einem weiteren Eingriff 2010, bei dem ihm zwei Stents eingesetzt wurden, stellte Clinton auch seine Ernährung um. Wie seine Frau schreibt er Bücher und hält hochdotierte Reden. Damit hat er nach seiner Zeit im Weißen Haus Millionen verdient.
Doch auch das Bild des würdevollen Elder Statesman hat Risse bekommen. Im Zuge der Aufarbeitung der Verbrechen des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (1953-2019) rückten auch Clintons frühere Kontakte zu ihm in den Fokus. Der ehemalige US-Präsident war mehrfach mit Epsteins Privatjet gereist und hatte nachweislich Kontakt zu ihm. Epstein hatte über Jahre minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und ausgebeutet. Clinton erklärte, von Epsteins Verbrechen nichts gewusst zu haben, und bestreitet jegliches Fehlverhalten.
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Bild: Bill Clinton feiert am 19. August seinen 80. Geburtstag. Der frühere US-Präsident ist bis heute als Autor und Redner aktiv. / Quelle: imago/Everett Collection



