Von der Internationalen Raumstation aus sah Alexander Gerst (50) Raketen über dem Nahen Osten aufsteigen, ohne zunächst zu verstehen, was er da beobachtete. In der Talkshow „Inas Nacht“ sprach der Astronaut am Donnerstagabend im Ersten über diesen Moment. „Ich wusste gar nicht, was das ist. Ich habe nur gesehen, da sind so Lichter und die enden in so Blitzen, und ich dachte, das sieht fast irgendwie schön aus – und dann habe ich kapiert, dass da Menschen sterben“, erzählte Gerst.
Sinn ergeben habe das Geschehen aus der Ferne für ihn nicht, „weil das alles so klein ist“. Nach seiner Darstellung geht es anderen Raumfahrern ähnlich: „Das sehen auch alle so da oben.“
Krieg und Umweltzerstörung von oben
Moderatorin Ina Müller (61) wollte von Gerst wissen, ob auf der Raumstation auch über politisch heikle Themen geredet werde, etwa über Kriege. „Das knipst man nicht völlig aus“, antwortete Gerst. „Das ist schon eine komische Sache, so von oben einen Krieg zu sehen.“ Sowas aus dem All zu verfolgen, habe ihn mitgenommen, wie er einräumte. Ebenfalls von oben gut sichtbar ist demnach die „Umweltzerstörung“ – „man sieht ja auch, wie die Menschen den Amazonas-Regenwald niederbrennen“, so Gerst.
Alexander Gerst über seinen Verdienst: „Meist nicht genug“
Beeindruckt zeigte sich Müller davon, dass Astronauten Russisch können müssen. „Ich musste die Kapsel fliegen. Alles ist auf Russisch – tausende Seiten Betriebsanleitung“, erzählte Gerst. Für seinen zweiten Flug war er neben seiner Aufgabe als Bordingenieur auch als Pilot des russischen Sojus-Raumschiffs ausgebildet worden. Mitten in die Antwort hinein fragte die Moderatorin, wie viel man als Astronaut eigentlich verdiene. „Meist nicht genug“, entgegnete Gerst. Auch auf ihre Nachfrage „Rechnet sich das?“ nannte er keine Summe, sondern kam auf die Sprachausbildung zurück: „Ich fand das total mega cool, Russisch zu lernen.“
Gerst war 2014 und 2018 auf der ISS und verbrachte dort insgesamt fast ein Jahr. Beim zweiten Aufenthalt übernahm er im Oktober 2018 als erster Deutscher das Kommando über die Station.
Am morgigen Samstag, 15. August, wird die Sendung um 23:55 Uhr im Ersten wiederholt. Weitere Gäste im Hamburger „Schellfischposten“ waren die Langstreckenwanderin Christine Thürmer, die schottische Musikerin Brooke Combe und die deutsche Songwriterin Antje Schomaker.
(des/spot)
Bild: Alexander Gerst zu Gast in der Late-Night-Show „Inas Nacht“ von Ina Müller. / Quelle: NDR/ARD/Morris Mac Matzen




