Aufwändige Skincare-Routinen und strikte Ästhetik-Regeln prägten die vergangenen Jahre. Der Clean-Girl-Look galt als Inbegriff der modernen No-Make-up-Ästhetik. Ziel war ein extrem frisches und erholtes Aussehen. Im besten Fall wirkte es optisch ungeschminkt, trotz zeitintensiver Vorbereitung. Nach Jahren dieser strikten Zurückhaltung sucht die Beauty-Welt nun wieder nach mutigen Ausdrucksformen. Das künstlerische Editorial-Make-up löst den makellosen Minimalismus ab.
Was zeichnet Editorial-Make-up aus?
Editorial-Looks entstehen primär für Modeshootings, Laufstege und Werbekampagnen. Das Styling verfolgt keine Perfektion oder Symmetrie. Stattdessen erzählt das Make-up eine Geschichte, vermittelt ein Gefühl oder setzt eine künstlerische Vision um. Jedes Styling folgt einem klaren Thema – von futuristisch über grunge bis hin zu märchenhaft.
Visagisten setzen dabei gezielte Highlights im Gesicht: Zum einen nutzen sie Details wie extrem betonte Lippen, leuchtenden Lidschatten oder markanten Eyeliner. Aber auch spannende Texturen stehen hoch im Kurs. Das Spiel mit kräftigen Farben, Glitzer, Pigmenten und Applikationen erzeugt Tiefe. Ein weiteres wichtiges Element sind Regelbrüche. Geometrische Eyeliner-Formen treffen auf bewusst unfertige Striche, verschmierte Lippenränder und rauchigen Lidschatten. Gebleichte oder bunt gefärbte Augenbrauen setzen zusätzliche Akzente.
„Skin First“: Die Haut behält ihre Natürlichkeit
Trotz auffälliger Farben setzt Editorial-Make-up auf eine natürliche Basis. Das Prinzip „Skin First“ stellt die Hautpflege in den Vordergrund. Leichte Texturen bereiten die Haut optimal vor und pflegen sie gleichzeitig.
Statt einer schweren Foundation kommt Concealer nur punktuell zum Einsatz. Fältchen, Sommersprossen und Poren bleiben bewusst sichtbar. Der perfektionierte Clean-Girl-Look weicht einer authentischen Hautstruktur.
Drei goldene Regeln für den Alltag
Der Editorial-Look bricht mit Regeln und nutzt experimentelle Elemente. Für eine tragbare Umsetzung im Alltag helfen drei einfache Grundsätze:
Im ersten Schritt ist es wichtig, die natürliche Hautstruktur zu erhalten. Zu dicke oder mattierende Foundations lassen den Look schnell künstlich wirken. Zweitens sollten die Augenbrauen im Alltag nur dezent gestylt werden. Ein transparentes Gel bringt die Brauen in Form, ohne vom Hauptakzent abzulenken. Das heißt im dritten Schritt: Nur ein Statement pro Look setzen. Betonte Augen verlangen nach neutralen Lippen – und umgekehrt.
Mithilfe dieser Regeln gelingt der Trend auch im Alltag mühelos: Knallige farbige Mascara, auffälliger Lidschatten, pinker Creme-Blush oder kirschroter Lippenstift setzen so gezielte Highlights, ohne verkleidet zu wirken.
(the/spot)
Bild: Bye-Bye Clean-Girl-Look: Ein auffälliger Lidschatten macht den Editorial-Make-up-Look aus. / Quelle: imago/ZUMA Press / Arina Antonova




