Berlin, 10.07.2026 (lifePR) – Juan Zapata konnte die Karibik sehen von seinem Apartment im fünften Stock eines Wohnhauses an der Küste Venezuelas. Am 24. Juni hatte er gerade zu Abend gegessen und wollte duschen. Dann erschütterten zwei Erdbeben die Küstenregion Venezuelas. Innerhalb weniger Sekunden brach das Gebäude zusammen. Die Wucht der Beben schleuderte Zapata durch den Raum – mit den Trümmern stürzte er in die Tiefe. Eingeklemmt zwischen Beton, Metallteilen und verbogenen Stahlträgern harrte Zapata mehr als zwei Tage aus: ohne Wasser, ohne Licht, ohne Orientierung. Als Rettungskräfte endlich zu ihm vordrangen, konnte er kaum glauben, wo er sich befand. „Ich sagte ihnen: Ich wohne im fünften Stock. Und sie antworteten: Nein, du bist im Untergeschoss“, erinnert sich Zapata. Insgesamt 55 Stunden lag er unter den Trümmern, bis er befreit werden konnte.
WHO warnt vor Gesundheitskrise nach dem Erdbeben
Nach den schweren Erdbeben vom 24. Juni mit inzwischen mehr als 3.800 Todesopfern und über 16.000 Verletzten ist die akute Rettungsphase weitgehend abgeschlossen. Gleichzeitig rückt die Lage des Gesundheitssystems zunehmend in den Fokus. Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Gerade jetzt wird medizinische Versorgung dringend gebraucht – doch viele Gesundheitseinrichtungen sind beschädigt oder nur eingeschränkt arbeitsfähig. „Am Anfang geht es vor allem um die Verletzungen durch das Erdbeben. Danach werden viele Nachbehandlungen und weitere medizinische Versorgung nötig sein“, sagt Dr. Peter Holz, medizinischer Leiter des Einsatzes von Samaritan’s Purse. Zu den körperlichen Verletzungen kommen Trauer, Fassungslosigkeit und Entsetzen. Viele Menschen haben Angehörige verloren, stehen ohne Zuhause und Besitz da. Holz erzählt: „Es gibt unendlich viele sehr traurige Geschichten, aber auch viel Hoffnung mitten in all dem.“
Diese Hoffnung erlebt auch Juan Zapata. Er erlitt mehrere Rippenbrüche und tiefe Schnittverletzungen und wird nun im Feldkrankenhaus von Samaritan’s Purse in La Guaira versorgt. Seine Beine sind verbunden, das Atmen fällt ihm schwer. Er hat seine Wohnung verloren, sein Mobiltelefon ist zerstört und alle persönlichen Dokumente liegen in den Trümmern. Aber er kann, wenn auch wackelig, wieder stehen. Und er sagt: „Ich habe alles verloren, aber Gott hat mir Gesundheit geschenkt.“
Medizinische Hilfe wieder in lokale Hände geben – Feldkrankenhaus wird weiter genutzt
Samaritan’s Purse hatte bereits wenige Tage nach den Erdbeben ein mobiles Feldkrankenhaus in La Guaira errichtet. Dort wurden inzwischen mehr als 1.000 Patienten versorgt. Das internationale medizinische Team behandelt Verletzte, führt Operationen durch und unterstützt die Gesundheitsversorgung in der Region.
„Eine Katastrophe endet nicht in dem Moment, in dem Menschen aus den Trümmern gerettet werden“, sagt Marina Nobiling, Vorstand von Samaritan’s Purse Deutschland. „Viele Betroffene stehen am Anfang eines langen Weges. Jetzt geht es darum, lokale Ärzte zu unterstützen und die medizinische Hilfe Schritt für Schritt wieder in verlässliche Strukturen vor Ort zu überführen.“
Deshalb richtet sich der Blick bereits auf die nächste Phase des Einsatzes. Gemeinsam mit lokalen Ärzten arbeitet Samaritan’s Purse daran, die Versorgung aufrechtzuerhalten und wieder in venezolanische Hände zu geben. Dafür wurden sogenannte Clinical Restart Modules nach Venezuela gebracht – mobile Ausstattungspakete mit medizinischem Material, Zelten, Generatoren und weiterer Ausrüstung, die Kliniken nach einer Katastrophe helfen, ihren Betrieb wieder aufzunehmen.
Auch die Ausstattung des Feldkrankenhauses soll langfristig im Land bleiben und von einheimischen Fachkräften zur Grundversorgung weiter genutzt werden. „Das Feldkrankenhaus wird sich dann zu einem Gesundheitszentrum für die Menschen vor Ort entwickeln“, so Holz.
„Wir sind weiter an ihrer Seite“, sagt Marina Nobiling. „Neben medizinischer Hilfe und praktischer Unterstützung möchten wir ihnen zeigen: Ihr seid nicht vergessen. Gott sieht euch und lässt euch nicht allein.“
