Jahrelang war Armie Hammer in Hollywood eine Persona non grata. Jetzt hat der Schauspieler dem US-Branchenblatt „The Hollywood Reporter“ sein erstes ausführliches Interview seit Jahren gegeben. Darin spricht der 39-Jährige offen über seinen beruflichen Absturz und nimmt sich selbst in die Pflicht. „Ich habe mir diese Probleme selbst geschaffen“, sagt er.
Vom gefeierten Aufsteiger zum Branchen-Outcast
Lange galt Hammer als eine der größten Nachwuchshoffnungen der Filmbranche. Seinen Durchbruch hatte er in David Finchers „The Social Network“, in dem er beide Winklevoss-Zwillinge verkörperte. Es folgten Produktionen wie „Lone Ranger“ und „Codename U.N.C.L.E.“ Für seine Performance in dem Liebesdrama „Call Me by Your Name“ wurde er für einen Golden Globe nominiert. Als Urenkel des Öl-Magnaten Armand Hammer brachte er zudem einen Namen mit, der in Los Angeles bis heute an Gebäuden prangt.
Der Absturz
2021 dann der Skandal: Mehrere Frauen erhoben schwere Vorwürfe psychischer und sexueller Gewalt. Eine Frau, mit der er neben seiner Ehe eine jahrelange Affäre gehabt haben soll, beschuldigte ihn der Vergewaltigung. Hammer wies die Anschuldigungen zurück. Eine Ermittlung der Polizei in Los Angeles wurde später ohne Anklage eingestellt. Für weitere Verstörung sorgten Nachrichten von Hammer an mehrere Frauen, in denen er Kannibalismus-Fantasien äußerte. In einem Interview mit Piers Morgan im Jahr 2024 gab Hammer zu, seiner damaligen Ehefrau Elizabeth Chambers mehrfach und mit zahlreichen Partnerinnen fremdgegangen zu sein. Die SMS über seine Fantasien bezeichnete er in dem Interview als rein metaphorisches und verbales Fetisch-Rollenspiel.
Beruflich überlebte er den Skandal dennoch nicht. Seine Agentur trennte sich von ihm, seine PR-Beraterin war weg. Fünf Jahre lang erhielt er kein einziges Rollenangebot mehr. Zeitweise lebte er in einer winzigen Wohnung in Venice Beach und kaufte Lebensmittel mit der Geldkarte eines Freundes. Später zog er auf die Cayman Islands, wo er auch seinen schwer erkrankten Vater bis zu dessen Tod pflegte.
Rückblickend ringt Hammer im Interview um eine Erklärung für seinen damaligen Lebensstil. „Ich habe mich früher selbst einen Konsumenten genannt“, sagt er. Anerkennung, Erlebnisse, Alkohol – er habe immer mehr gewollt, ohne sich je satt zu fühlen. Hinzu sei ein Gefühl gekommen, nicht wirklich dazuzugehören.
Ein deutscher Regisseur als Türöffner
Den Wendepunkt brachte ausgerechnet eine E-Mail aus Deutschland. Regisseur Uwe Boll wollte Hammer für einen Film – das erste Angebot seit fünf Jahren. „Ich glaube, ich habe geweint“, erinnert sich der Schauspieler. „Ich hätte auch einen verdammten Katzenfutter-Werbespot gemacht. Ich wollte einfach wieder arbeiten.“
Der in Kroatien gedrehte Film trägt den Titel „Citizen Vigilante“. Inzwischen hat Hammer drei weitere Low-Budget-Produktionen abgedreht, darunter den Western „Frontier Crucible“ und den Thriller „Night Driver“. Ein professionelles Team steht ihm dabei nicht mehr zur Seite: keine Agentur, kein Manager, keine PR-Beratung.
„Ich habe nicht getan, was die Leute behaupten“
Völlig unschuldig sei er nicht an seiner jetzigen Situation, gibt Hammer in dem Gespräch zu. „Das ist mir nicht durch einen dummen Zufall passiert“, sagt er. „Ich habe nicht getan, was die Leute behaupten. Aber ich habe sehr gefährliche Menschen in mein Leben gelassen und Leute in meinem Umfeld verärgert – und jetzt sind wir hier.“
Dass sein Ruf weiterhin ein Hindernis ist, weiß er. Den Weg zurück vergleicht er mit einer berühmten Sagengestalt: „Es ist wie bei Sisyphos, der den Felsen den Berg hochrollt – nur dass mein Felsen mit Vaseline eingeschmiert ist.“ Rückgängig machen aber würde er nichts, sagt Hammer. Den Zustand, in dem er sich vor seinem Absturz befunden habe, beschreibt er als ungesund: „Gesunde Menschen verhalten sich nicht so, wie ich mich verhalten habe.“
(des/spot)
Bild: Nach Missbrauchsvorwürfen bekam Armie Hammer keine Rollenangebote mehr. / Quelle: imago images/ABACAPRESS/Marechal Aurore

