Patrick Bruel (67), einer der bekanntesten Sänger und Schauspieler Frankreichs, ist am Montag in Polizeigewahrsam genommen worden. Ermittler befragen den 67-Jährigen zu Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung und Vergewaltigung, die insgesamt 13 Frauen gegen ihn erhoben haben – die Anschuldigungen reichen bis ins Jahr 1997 zurück. Das geht aus einer Erklärung der Staatsanwaltschaft Nanterre hervor, über die unter anderem die „New York Times“ berichtet.
Die Ermittlungen hatten im April begonnen, einen Monat nachdem das französische Investigativportal „Mediapart“ gemeldet hatte, dass acht Frauen Bruel sexuelle Übergriffe zwischen 1992 und 2019 vorwerfen – zwei von ihnen hatten demnach bereits Anzeige erstattet.
Vorwürfe aus mehreren Ländern
Laut Staatsanwaltschaft werfen drei Frauen dem Sänger sexuelle Nötigung und versuchte Vergewaltigung in den Jahren 1997, 2000 und 2001 vor. Die übrigen mutmaßlichen Opfer beschuldigen ihn laut Ermittlern der Vergewaltigung, des versuchten Übergriffs, der sexuellen Nötigung und Belästigung. Unter den Fällen befindet sich auch ein Fall aus Belgien aus dem Jahr 2010, der eine 40-jährige Frau betrifft. Bruel wird zu sämtlichen dieser Vorwürfe befragt.
Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erlangte im Mai der Fall der französischen Journalistin und Autorin Flavie Flament, die Anzeige erstattete und Bruel beschuldigte, sie 1991 vergewaltigt zu haben – damals war sie 16, er 32 Jahre alt. „Er hat meine Jugend gestohlen“, schrieb Flament auf Instagram. Dieser Vorwurf war laut dem Sender Franceinfo allerdings nicht Gegenstand der Befragung am Montag. Gegenüber dem Radiosender RTL hatte Flament geschildert, Bruel habe sie in seine Pariser Wohnung eingeladen und ihr Tee angeboten. Sie sei ohnmächtig geworden. „Als ich die Augen aufschlug, sah ich ihn – er zog mir gerade die Hose wieder an, weißt du, wie bei einer Puppe“, beschrieb Flament ihre Erinnerungen an die damaligen Ereignisse.
Patrick Bruel bestreitet alle Vorwürfe
Der Sänger hat die Anschuldigungen bislang entschieden zurückgewiesen. In einer Instagram-Erklärung vom Mai schrieb er, er habe „noch nie eine Frau gezwungen“ und „noch nie jemanden betäubt, manipuliert oder zu unterwerfen versucht“.
Die Anschuldigungen haben in Frankreich erhebliche Folgen nach sich gezogen. Feministische Aktivistinnen störten im Mai eine Theateraufführung, in der Bruel mitspielte, mit Masken seines Gesichts und dem Ruf „Bruel Vergewaltiger“. Das Theater sagte daraufhin die verbleibenden fünf Vorstellungen ab. Anschließend strich Bruel alle seine Konzerte bis September.
Frankreich und #MeToo
Bruel ist nicht der erste prominente französische Künstler, der mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird. Schauspieler Gérard Depardieu war im Mai 2025 wegen sexueller Übergriffe gegenüber zwei Frauen am Set eines Films aus dem Jahr 2021 schuldig gesprochen worden.
Die #MeToo-Debatte hatte Frankreich vergleichsweise spät erfasst. In den ersten Jahren nach 2017 gelangten trotz zahlreicher öffentlicher Anschuldigungen nur wenige Fälle vor Gericht.
(lau/spot)
Bild: Schon seit einigen Monaten sind die Anschuldigungen gegen Patrick Bruel bekannt. / Quelle: imago/Bestimage / LIONEL URMAN



