Am Sonntag, dem 26. April, übernehmen im Ersten ab 20:15 Uhr einmal mehr Moritz Eisner und Bibi Fellner den Dienst. Doch der neue Wien-„Tatort: Gegen die Zeit“ ist nicht irgendein weiterer Einsatz des Austro-Duos, sondern bereits ihr vorletzter gemeinsamer Fall. Entsprechend schwingt rund um Harald Krassnitzer (65) und Adele Neuhauser (67) schon jetzt spürbar Abschiedsstimmung mit. Viel Zeit für Sentimentalitäten bleibt allerdings nicht: Diesmal führt sie ein Mordfall in ein heikles, emotional aufgeladenes Milieu.
Darum geht es im „Tatort: Gegen die Zeit“
David Walcher, der Leiter einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft für männliche Jugendliche, wird nachts erschlagen und am nächsten Morgen tot aufgefunden. Eisner und Fellner übernehmen die Ermittlungen im „Sonnenhof“, der für seine Bewohner eigentlich ein Schutzraum sein soll. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar: Der Tote war keineswegs unumstritten. Sein Führungsstil galt als streng, die Spannungen innerhalb der Einrichtung scheinen erheblich gewesen zu sein.
Besonders brisant: Einer der Jugendlichen, der 16-jährige Cihan, ist verschwunden und gerät schnell ins Zentrum der Ermittlungen. Gleichzeitig stoßen Eisner und Fellner bei Bewohnern wie Betreuern auf Widerstand. Die Jugendlichen haben schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht, die Pädagogen wollen ihr mühsam aufgebautes Vertrauen nicht verspielen. Für die Ermittler wird der Fall damit auch zu einer Gratwanderung zwischen Härte und Fingerspitzengefühl.
Lohnt sich das Einschalten?
Ja, durchaus. „Gegen die Zeit“ ist kein launiger Wien-„Tatort“, der sich auf die eingespielten Reibereien und den gewohnten Charme seines Ermittlerduos verlässt. Der Film schlägt vielmehr einen ernsteren, konzentrierteren Ton an und verlegt den Schwerpunkt klar auf ein sensibles Umfeld, in dem Misstrauen, Verletzlichkeit und aufgestaute Aggressionen den Takt vorgeben. Gerade das macht den Fall interessant.
Statt großer Spielereien setzt der Krimi offenbar auf eine dichte Atmosphäre und auf die Frage, wie Eisner und Fellner in einem Milieu ermitteln, das der Polizei nicht nur skeptisch, sondern teils offen ablehnend begegnet. Das gibt dem Film eine andere, rauere Spannung als vielen klassischeren Wien-Fällen. Der Mordfall selbst wirkt dabei weniger wie ein bloßer Aufhänger, sondern eher wie der Einstieg in ein Geflecht aus Frust, Schutzmechanismen und eskalierter Hilflosigkeit.
Hinzu kommt der besondere Rahmen: Weil es sich um den vorletzten gemeinsamen Einsatz von Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser handelt, schwingt automatisch ein wenig Wehmut mit. Das überlagert den eigentlichen Fall aber nicht, sondern verleiht ihm eher zusätzliches Gewicht. Unter dem Strich spricht deshalb viel für einen sehenswerten, ernsten und durchaus packenden Sonntagabendkrimi, der weniger auf Leichtigkeit als auf Intensität setzt.
(dr/spot)
Bild: Adele Neuhauser (Bibi Fellner, li.) und Harald Krassnitzer (Moritz Eisner) sind nur noch zweimal gemeinsam in einem Wiener „Tatort“ zu sehen. / Quelle: ORF/Petro Domenig



