Bonn, 21.04.2026 (lifePR) – Bunte Schautafeln, auf denen in knappen und verständlichen Worten eine der größten globalen Herausforderungen weltweit thematisiert wird: Hunger. Wie man ein so bedrückendes und wichtiges Anliegen für Schülerinnen und Schüler spannend aufbereitet, warum das Thema überhaupt in der Schule behandelt werden sollte, und was Kinder und Jugendliche gegen Hunger in der Welt tun können, darüber haben wir uns mit Hawa Djigo unterhalten. Sie ist bei der Welthungerhilfe für Schulkooperationen zuständig und Projektleiterin der Ausstellung.
Was bedeutet Hunger weltweit und wen betrifft er?
Sie haben die sehr eindrückliche Ausstellung zum Thema „Klimakrise macht Hunger“ mit konzipiert. An wen richten sich die fünf Themenschwerpunkte, darunter das Thema Hunger?
Hawa Djigo: Wir haben die Wanderausstellung konzipiert, weil wir gemerkt haben, dass die Themen, die darin behandelt werden – Ernährung, Landwirtschaft, Lebensmittelverschwendung, Wasser und Hunger – gesellschaftlich relevant sind. Deswegen haben wir für den Bildungsbereich die Zusammenhänge so aufbereitet, dass Jugendliche ab 16 Jahren sie auch verstehen können. Mit der Ausstellung richten wir uns an alle Interessierten ab dem 16. Lebensjahr, damit diese Hunger in all seinen Ausprägungen verstehen und Teil der Lösung werden.
Hunger weltweit: Definition, Ursachen und Formen
Wenn wir von Hunger sprechen, ist das etwas anderes als der Appetit, den wir alle kennen. Was sind die Unterschiede, die man kennen sollte, damit wir Hunger auch wirklich, als eine Herausforderung für die Menschheit und für jeden einzelnen Betroffenen verstehen?
Hawa Djigo: Wir sprechen von Hunger, wenn eine Person täglich weniger als 2.100 Kilokalorien zu sich nimmt. Das ist die Definition von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, kurz FAO. Um das zu verdeutlichen, schauen wir uns die drei Arten von Hunger an: Akuter Hunger bedeutet über einen begrenzten Zeitraum zu wenig Kalorien zu sich zu nehmen. Dies kann der Fall sein bei Naturkatastrophen oder gewaltsamen Konflikten und Kriegen. Chronischer Hunger hingegen bedeutet, dauerhaft weniger als 2.100 Kilokalorien zu sich zu nehmen. Darüber hinaus gibt es auch noch den „versteckten Hunger“. Dieser ist auch eine Form von chronischem Hunger. Eine rein kalorische Angabe heißt nicht, dass es sich auch um eine gesunde, ausgewogene Ernährung handelt. Auf Grund von einseitiger Ernährung fehlen bestimmte Nährstoffe. Die Folgen sind schwere Krankheiten, die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern ist beeinträchtigt. Es kommt beispielsweise zu Konzentrationsschwierigkeiten bei Lernenden.
Die Welthungerhilfe sagt, dass „Zero Hunger“ – also eine Welt ohne Hunger – möglich ist. Wie bringen Sie diese globale Botschaft auf Schautafeln zum Ausdruck?
Hawa Djigo: Zum einen zeigen wir auf, was bisher erreicht wurde. Das machen wir anhand des Welthunger-Indexes (WHI), der jährlich von der Welthungerhilfe gemeinsam mit Partnern publiziert wird. Der Index zeigt nicht nur, wie gut oder schlecht Menschen mit Lebensmitteln versorgt sind. Er gibt auch ein sehr genaues Bild über langfristige Trends bei der Überwindung des Hungers weltweit. Zum anderen erklären wir mit einfachen Sätzen wie Lösungsansätze aussehen könnten, und wie wir mit unseren Partnern vor Ort arbeiten und was jede oder jeder tun kann.
Klimawandel und Hunger: Warum Wasser eine Schlüsselrolle spielt
In der Ausstellung liegen zwei der fünf Schwerpunkte auf den Themen „Klimawandel“ und „Wasser“. Was haben die mit Hunger zu tun?
Hawa Djigo: Es droht gerade eine neue humanitäre Krise am Horn von Afrika. Denn die Menschen in Äthiopien, Somalia und Kenia sehen sich erneut einer schweren Dürre gegenüber. Nur drei Jahre nach der letzten verheerenden Dürre verschärfen extreme Hitze und ausbleibende Regenfälle die Situation dramatisch. Das bedeutet, dass die Menschen sich langfristig nicht mehr ausreichend ernähren können, da viele von Ihnen von Landwirtschaft und Viehzuckt leben. Ohne Wasser, kein Leben. Diese Situation ist auf den Klimawandel zurückzuführen. Deshalb ist es wichtig, diesen Satz zu verstehen: Klimakrise macht Hunger.
Bildung für nachhaltige Entwicklung: Warum Schulen das Thema Hunger behandeln sollten
Kriege und Klimawandel besorgen unsere Kinder schon sehr. Ist es da sinnvoll, ihnen auch noch die globale Problematik wie Wassermangel und Hunger nahe zu bringen? Sind das Themen für die Schule und für den Unterricht?
Hawa Djigo: Unsere Schülerinnen und Schüler können mehr aushalten als wir denken. Außerdem ist es sinnvoll zu verstehen, dass Wassermangel uns alle betreffen kann. Denn der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die auch unsere Nahrung, Wasserversorgung sowie die Verfügbarkeit von Ressourcen und unseren Konsum in Deutschland betrifft. Je früher unsere Kinder die globalen Zusammenhänge nachvollziehen können, desto besser für die Welt. Sie sind die Zukunft.
Die „Hunger“-Ausstellung will also nicht erschrecken oder Angst machen, sondern die Besucher zum aktiven Handeln ermutigen. Was können Schülerinnen und Schüler denn tun, um solchen Herausforderungen etwas entgegenzusetzen?
Hawa Djigo: Wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, dass Hunger kein unabwendbares Schicksal, sondern lösbar ist, und vor allem wie er entsteht, dann bin ich mir ganz sicher: sie kommen mit eigenen Ideen und setzen sich für eine Welt ohne Hunger ein.
Infos
Hawa Djigo
Hawa Djigo ist bei der Welthungerhilfe für Schulkooperationen zuständig. Sie hat die Ausstellung „Klimakrise macht Hunger“ mit konzipiert und ist für ihre Organisation die zuständige Ansprechpartnerin.
Ausstellung ansehen und bestellen
Hier können Sie die Ausstellung anschauen und bestellen: https://www.welthungerhilfe.de/spenden/aktiv-werden/als-schule-aktiv-werden/wanderausstellung
