Vernichtende Kritiken: Kann „Euphoria 3“ wirklich so schlecht sein?

Vernichtende Kritiken: Kann „Euphoria 3“ wirklich so schlecht sein?

Vier Jahre haben Fans auf die Rückkehr von „Euphoria“ gewartet. Vier Jahre, in denen Zendaya (29) zum Weltstar aufstieg, Jacob Elordi (28) Oscar-Nominierungen sammelte und Sydney Sweeney (28) zum Gesicht Hollywoods wurde. Jetzt ist die dritte Staffel da – und die Kritiker sind sich in ihrer Ernüchterung erschreckend einig. Was versprach, ein triumphales Comeback zu werden, entpuppt sich laut den ersten Rezensionen als Absturz auf hohem Niveau.

Dabei hatte „Euphoria“ einst das Publikum elektrisiert. Als die Serie 2019 beim US-Sender HBO startete, war sie für viele ein Schock im besten Sinne: provokant, unerschrocken, ein Spiegel einer Generation, den niemand erwartet hatte. Drogen, Sex, Identitätssuche – alles ohne moralischen Zeigefinger, mit einer Bildsprache, die eher an ein Musikvideo als an eine Coming-of-Age-Geschichte erinnerte. Staffel zwei löste ähnliche Wellen aus. Dann: Stille.

Eine viel zu lange Pause

Die lange Pause war kein freiwilliger Luxus. Hinter den Kulissen häuften sich Tragödien: Castmitglied Angus Cloud (1998-2023) starb 2023, Eric Dane (1972-2026) erlag im Februar kurz nach Abschluss seiner Dreharbeiten den Folgen seiner ALS-Erkrankung. Barbie Ferreira (29) verließ die Serie nach der zweiten Staffel. Produzent Kevin Turen (1979-2023) starb im Herbst 2023. Im März 2026 verkündete zudem Komponist Labrinth (37) via Instagram seinen Ausstieg knapp und unmissverständlich: „Fuck Columbia. Double fuck Euphoria. I’m out.“ Dazu kamen die Hollywood-Streiks und die engen Terminpläne der inzwischen gefragten Stars. Das Ergebnis: Eine Show, die ursprünglich in der Highschool angesiedelt war, musste einen Fünf-Jahres-Zeitsprung vollziehen, um der Realität ihrer Darsteller gerecht zu werden.

Dass dieser Zeitsprung die Serie inhaltlich nicht beflügelt hat, bemängeln nun gleich mehrere namhafte Medien unisono. Die Figuren sind nun Anfang 20, das Highschool-Kapitel ist abgeschlossen – und damit auch der Rahmen, der „Euphoria“ einst seinen Zusammenhalt gab. Die „BBC“ urteilt, die Show habe ihren zeitgeistigen Charakter verloren und habe nun „sehr wenig zu sagen“. Die Versuche, den engen Freundeskreis der Serie „irgendwie gleich und doch anders“ erscheinen zu lassen, wirkten „erzwungen“.

Kritiker urteilen: „Lazy writing“

Rue (Zendaya), einst das emotionale Zentrum der Serie, ist zur Drogenkurierin geworden. Ihre Schulden bei Dealerin Laurie (Martha Kelly) haben sich zu einer handfesten kriminellen Verstrickung ausgewachsen. Das Webmagazin „Mashable“ zeigt sich davon wenig begeistert: Eine Serie mit so viel Potenzial und so unbestreitbarem Talent vor und hinter der Kamera entscheide sich immer wieder für billige Schockmomente statt für echte Tiefe. „Faule Schreibarbeit“, schreibt die „New York Post“.

Zu viele Stars, zu wenig Material

Ein zentrales Problem, das mehrere Kritiken benennen: Die Stars sind über ihre Rollen hinausgewachsen – und das Drehbuch hat die Konsequenzen nicht gezogen. Jacob Elordi, der seit seiner ersten „Euphoria“-Staffel eine beachtliche Filmkarriere hingelegt hat, spielt nun einen Nate, der so „out of Character“ ist, dass die „New York Post“ fragt, warum er seinen Filmkalender für diese Rückkehr überhaupt geopfert hat.

Das Fachmagazin „Variety“ diagnostiziert darüber hinaus eine grundlegende Identitätskrise: Hatte früher Rues Suchtgeschichte als zentrales Thema in der Serie gestanden, geht es nun immer aufdringlicher um den Tausch von Intimität gegen Geld – ein Thema, das Drehbuchautor Sam Levinson offenbar fasziniert, ohne dass die Kritiker bisher erkennen könnten, was er damit sagen will. Von „Variety“ muss er sich die Frage gefallen lassen, ob dahinter eine Gesellschaftskritik liegt – oder lediglich der Wunsch, Sydney Sweeney in knapper Kleidung zu zeigen?

Ab 13. April auch in Deutschland zu sehen

Trotz der verheerenden Erstrezensionen bleibt festzuhalten: Bisher haben Kritiker lediglich drei Episoden der neuen Staffel gesehen. Die verbleibenden Folgen könnten die Geschichte noch einmal wenden – oder die Zweifel zementieren. Dass die Serie trotz allem ihre technische Brillanz nicht verloren hat, räumen selbst kritische Stimmen ein. Die Bildsprache, die Performances, der Sound – das alles bleibt auf gewohnt hohem Niveau.

Ob das reicht, werden die Zuschauer bald selbst beurteilen können: In Deutschland startet die dritte Staffel von „Euphoria“ am 13. April 2026 bei Sky, WOW und HBO Max.

(mia/spot)

Bild: Die ersten drei Folgen der neuen „Euphoria“-Staffel mit Zendaya konnten Kritiker nicht überzeugen. / Quelle: Patrick Wymore/HBO

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