Alexander Kluge ist gestorben. Der Filmemacher, Autor und Medienunternehmer starb am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München. Das bestätigte der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie dem „Spiegel“. Mit Kluge verliert die deutsche Kulturlandschaft eine ihrer eigenwilligsten und produktivsten Figuren.
Geboren wurde Alexander Kluge 1932 in Halberstadt als Sohn eines Landarztes. Mit 13 Jahren erlebte er die Bombardierung seiner Heimatstadt aus nächster Nähe, wurde verschüttet und fand durch die Nachbarhäuser doch noch ins Freie. Nach dem Krieg studierte Kluge Jura, Geschichte und Kirchenmusik, promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. Während seines Referendariats traf er auf den Philosophen Theodor W. Adorno, der zu seinem Mentor wurde.
Autor und Filmemacher
1958 volontierte Kluge schließlich beim Regisseur Fritz Lang und begann bald selbst, Regie zu führen. Mit seinen Filmen brach er mit dem biederen deutschen Unterhaltungsfilm der Nachkriegszeit und avancierte zu einem der prägenden Vertreter des Neuen Deutschen Films. 1966 erhielt er für sein Spielfilmdebüt „Abschied von gestern“ als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen in Venedig. Weitere erfolgreiche Filme waren etwa „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“, „Deutschland im Herbst“ oder „Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“.
Es war aber gerade seine Vielfältigkeit, die Kluge ausmachte. Parallel zur Filmarbeit betätigte er sich als Gesellschaftsanalytiker, aber vor allem als Autor und formte auch den westdeutschen Literaturbetrieb der Nachkriegszeit entscheidend. Sich selbst sah er auch immer mehr als Schriftsteller denn als Film- und Fernsehschaffender.
Für sein Werk erhielt Kluge zahlreiche Preise, wie etwa den Fontane-Preis, den Heinrich-Böll-Preis, den Heinrich-Heine-Preis, den Adolf-Grimme-Preis sowie den Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt.
Pionier im Privatfernsehen
Mit dem Aufkommen des Privatfernsehens in Deutschland erschloss sich Kluge auch noch ein weiteres Betätigungsfeld. 1987 war er Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die sich Sendefenster bei RTL und Sat.1 sicherte und diese mit wissenschaftlichen und kulturellen Inhalten wie „Spiegel TV“ bestückte.
Nur zehn Tage vor seinem Tod hatte Alexander Kluge sich in einem Gespräch mit der „Zeit“ über seinen gerade verstorbenen Freund Jürgen Habermas zu Wort gemeldet und auch seine Sicht auf eine „seltsam veränderte Welt“ dargelegt. „Wir wären gut beraten, das Denken als Werkstatt zu begreifen. Denken ist nicht nur eine Tätigkeit des Kopfes. Es umfasst den ganzen emotionalen Haushalt des Menschen bis hin zur Haut“, betonte er darin. „Öffentlichkeit muss immer wieder neu entstehen. Und dafür brauchen wir Neugier, Geduld und die Bereitschaft, gemeinsam zu denken.“
(eyn/spot)
Bild: Alexander Kluge wurde 94 Jahre alt. / Quelle: ddp/Sven Simon


