Goldene Zeiten

Hannover, 12.03.2026 (lifePR) – Völlig unerwartet kam der Goldhortfund von Gessel im Jahr 2011 auf einer Ausgrabung im Landkreis Diepholz ans Tageslicht. Mit einem Gewicht von 1,7 kg gehört die aus 117 Teilen bestehende Entdeckung zu den größten jemals gefundenen Goldhorten der Bronzezeit in Europa. 15 Jahre nach der Auffindung werden die sensationellen Funde und das Umfeld des Fundortes mit finanzieller Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft von einem interdisziplinären Team des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD), des Landesmuseums Hannover sowie der Universitäten Göttingen und Kiel nun erstmals umfassend untersucht.

Es war einer der letzten Tage einer archäologischen Untersuchung auf der Trasse der Nordeuropäischen Erdgasleitung, als Jan Stammler nahe des Ortes Syke am 7. April 2011 mit einem Metalldetektor die Fläche absuchte und einem starken Gerätesignal folgte. Vorsichtig grub er an der Stelle nach, und tatsächlich entdeckte er in 60 cm Tiefe vorgeschichtliche Metallfunde: Neben Bronzenadeln legte er dort auch eine kleine Goldspirale frei, und so ahnte der Grabungstechniker, dass er einer bedeutenden Entdeckung auf der Spur war. Umgehend wurde der Fundkomplex im Block abtransportiert und mit einem leistungsstarken Computertomographen (CT) durchleuchtet. Landesarchäologie Henning Haßmann erinnert sich: „Das CT-Bild ließ keinen Zweifel, dass in dem Block zahlreiche Goldobjekte dicht beieinanderlagen.“ In der Tat konnten in der Werkstatt des NLD dann die Goldfunde – darunter zahlreiche Spiralringe – mit einem Gesamtgewicht von 1,7 kg nach und nach freigelegt werden. Die dicht liegenden und teilweise miteinander verbundenen Ringe sprachen für eine gleichzeitige Deponierung. Bereits in der Bronzezeit war Gold ein sehr wertvolles und gefragtes Material. Stoffreste an den Bronzenadeln erlaubten mit Hilfe der Radiokarbonmethode die Niederlegung in die Zeit um 1300 v. Chr. zu datieren. Heute werden die prächtigen Goldfunde im Landesmuseum Hannover und im Kreismuseum Syke präsentiert.

Erste Erkenntnisse zu dem Sensationsfund wurden bald nach der Entdeckung veröffentlicht, doch bislang fehlt eine detaillierte Analyse der Funde, um Fragen zur Herstellungsweise, der Verwendung der Goldobjekte und ihrer Herkunft zu klären. Auch das Gebiet um den Fundort ist noch nicht näher untersucht. Es ist kaum vorstellbar, dass eine so wertvolle Deponierung ohne Bezug zu einer prosperierenden Siedlung und Gemeinschaft in den Boden gelangte. Die regionalen und überregionalen Beziehungen während der Bronzezeit sichtbar zu machen, ist ein wichtiges Anliegen des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes. Christina Krafczyk, Präsidentin des NLD, und Museumsdirektorin Katja Lembke sind hoch erfreut: „Wir sind sehr dankbar, dass wir mit finanzieller Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft den einmaligen Goldhortfund und sein Umfeld nun mit neuesten Methoden untersuchen und diesen herausragenden Teil des niedersächsischen Kulturerbes noch besser sichtbar machen können.“

Das neue Forschungsprojekt vereint verschiedene Perspektiven auf den Goldhort: Am Landesmuseum werden Rohmaterial und die Objekte eingehender analysiert, das NLD untersucht den Fundplatz und die archäologischen Denkmäler in seinem Umfeld. Die Universität Kiel geht mit botanischen Untersuchungsmethoden den wirtschaftlichen Grundlagen der bronzezeitlichen Bevölkerung nach und erforscht die lokale Landschaftsentwicklung, während die Universität Göttingen sich mit Lehrgrabungen nahe der Fundstelle einbringen wird. Der bronzezeitliche Handel ist ein Forschungsschwerpunkt am Göttinger Seminar für Vor- und Frühgeschichte und daher soll die Bedeutung von Gold als Handelsgut auf einer Tagung diskutiert werden. Mit einer großen Abschlusstagung und einer Ausstellung sollen 2028 die Projektergebnisse und die „goldenen Zeiten“ vor 3300 Jahren der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das könnte dir auch gefallen

Mehr ähnliche Beiträge