Im Stuttgarter „Tatort: Ex-It“ (18. Januar, 20:15 Uhr, Das Erste) glänzt Kim Riedle (44) als verblasstes It-Girl Pony Hübner, deren Welt nach einem dramatischen Unfall zerbricht. Mit gebrochenen, komplexen Frauenfiguren hat sich die Schauspielerin in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht – intensiv und fassettenreich verkörperte sie etwa auch die entführte Jasmin „Lena“ Grass in der preisgekrönten Netflix-Miniserie „Liebes Kind“ (2023). Die Produktion gewann 2024 den International Emmy in der Kategorie „Fernsehfilm/Miniserie“, wie unter anderem die „Tagesschau“ berichtete.
Der Fall Pony Hübner – warum steht ein Ex-It-Girl im Zentrum des Films?
In „Tatort: Ex-It“ spielt Riedle eine Frau, die einst zu den meistfotografierten Gesichtern des Landes gehörte und nun am toxischen Erbe ihres Ruhms zerbricht. Kritiker loben, wie sie das ehemalige It-Girl als zutiefst verstörte Frau im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit zeichnet, deren Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zur Selbstzerstörung geworden ist.
Drehbuchautor Wolfgang Stauch beschäftige sich gern mit Figuren, die in einem Netz gefangen seien, aus dem sie nicht mehr entkommen könnten. „Ich gehe – meistens – davon aus“, fügte er gegenüber dem „SWR“ hinzu, „dass nicht nur die böse Spinne das Netz geknüpft hat, sondern dass die Gefangenen selbst einen gewissen Anteil daran haben.“ Die Situation bringe schließlich auch Vorteile mit sich, erklärte er weiter.
Das Showbusiness, um das es hier im weitesten Sinne gehe, sei für ihn ein dankbarer Mikrokosmos – mit einem eklatanten Unterschied zwischen Innen und Außen. „Man braucht nur an Rex Gildo zu denken“, so Stauch. Besonders interessant habe er schließlich auch den „Mikro-Mikrokosmos der It-Girls“ gefunden, den er als „aussterbenden Berufszweig im Übergang zum Zeitalter der Influencer“ beschreibt.
Karriere mit Auszeichnung
Geboren 1982 in Starnberg, mit schwäbischen und nordmazedonischen Wurzeln, absolvierte Riedle ihre Schauspielausbildung in München und startete mit Rollen in „SOKO Köln“ sowie Theater in Castrop-Rauxel. Ihr Durchbruch kam mit „Verbotene Liebe“ (2013), gefolgt von Kinofilmen wie „Back for Good“ (2017, Berlinale).
Kim Riedle baut sich konsequent auch ein internationales Profil auf, wie etwa ihre Rolle in der britisch-niederländisch-deutschen Krimireihe „Kommissar Van der Valk“ zeigt – bislang war sie 2024 in zwei Folgen zu sehen. Für „Liebes Kind“ wurde sie 2025 mit dem Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Ein Schritt, der sie endgültig in die erste Reihe der deutschen Schauspielerinnen katapultiert.
Der heutige „Tatort“ wirkt deshalb wie ein logischer nächster Schritt: ein prominenter Sendeplatz für eine Schauspielerin, die bereit ist, unangenehme Figuren bis zum Abgrund auszuleuchten. Kim Riedle zeigt Pony Hübner als warnendes Märchen über Ruhm und Vergessen.
(ili/spot)
Bild: Kim Riedle als ehemaliges It-Girl Pony im „Tatort: Ex-It“. / Quelle: SWR/Benoît Linder

